Nach Mixas Rücktritt Internet-Krieg im Bistum Augsburg

Auch nach Bischof Mixas Rücktritt kommt Augsburg nicht zur Ruhe: Nun folgen Grabenkämpfe im Internet.

Von Stefan Mayr

Hätte es noch eines letzten Beweises bedurft, dass durch das Bistum Augsburg ein tiefer Riss geht, am Dienstag wurde er erbracht - öffentlich einsehbar im Internet unter www.pfingsterklaerung.de. Auf dieser Homepage rufen Priester und Laien aus der Diözese zum Neuanfang nach dem Rücktritt von Bischof Walter Mixa auf. Bis Mittwochabend hatten sich etwa 800 Menschen der Forderung nach mehr Transparenz und Beteiligung der Kirchenbasis an Entscheidungen im Bistum angeschlossen. Sie befinden sich damit auf einer Wellenlänge mit Weihbischof Josef Grünwald, der seit dem Rücktritt von Mixa die Geschäfte als Diözesanadministrator führt. Grünwald hatte die sogenannte Pfingsterklärung wohlwollend zur Kenntnis genommen. Doch was konservative Kirchenkreise am Dienstag auf der Website veranstalteten, könnte durchaus als virtueller Krieg bezeichnet werden.

Das Bistum Augsburg kommt auch unter dem kommisarischen Nachfolger von Walter Mixa, dem Diözesanadministrator Josef Grünwald, nicht zur Ruhe.

(Foto: dpa)

Die Gegner der Pfingsterklärung versuchten, die Online-Unterschriftensammlung ins Lächerliche zu ziehen, indem sie Unterzeichner öffentlich verunglimpften. "Pfr. Mayr ist ein Intrigant!!!", schrieb beispielsweise ein Site-Besucher in die Liste - und das 17 Mal. Nicht weniger als 52 Mal trug sich ein Unterzeichner als "Prof. Dr. Satanas Widersacher, Inhaber des Lehrstuhls für Häresie" ein.

Ob diese Art des Protests intelligent oder christlich ist, müssen die Urheber wohl mit sich selbst ausmachen. Jedenfalls wurden noch am Dienstagabend alle nicht ernst gemeinten Einträge aus der Liste entfernt.

Dieser virtuelle Kampf zeigt: Weihbischof Grünwald ist um seine Aufgabe im gespaltenen Bistum nicht zu beneiden. Auf Anfrage, wie denn die Bistumsleitung die Pfingsterklärung bewerte, gab die Pressestelle allerdings nur eine dünne Antwort: Man mache sich "das Anliegen des Dialogs gerne zu eigen", heißt es. Über die konkreten Anliegen und Anfragen der Erklärung "wird man ins Gespräch kommen müssen." Dieses Gespräch könnte spannend werden, denn Regionaldekan Reinhold Lappat aus Buchloe kündigt bereits an: "Wir Dekane werden da dran bleiben." Dies gelte vor allem für die Forderung, umstrittene Personalentscheidungen von Bischof Mixa müssten korrigiert werden. Unter den Unterzeichnern befinden sich bislang vier Regionaldekane und acht Dekane.

Initiatoren und Teilnehmer der Unterschriftenaktion sind mit dem Zuspruch zufrieden, sie sprechen von "Aufbruchstimmung".

Die Pfingsterklärung unterstützt ausdrücklich die Aussage Grünwalds, "dass es gilt, die Ursachen der Krise zu ergründen und zu benennen und dass es Raum zu Selbstkritik, Ehrlichkeit und Selbsterkenntnis braucht".