Nach Kritik zu Kreuz-Pflicht Söder plant runden Tisch zu Werten und Identität

Nach dem Wirbel um die neue Kreuz-Pflicht in Behörden plant Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes. "Natürlich haben wir eine klare Haltung, aber wir sind offen für das Gespräch", sagte Söder. "Das soll mit einem großen runden Tisch erfolgen, der sich über einen längeren Zeitraum austauscht." Einladen will Söder Vertreter der beiden großen Kirchen; aber auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, etwa der jüdischen Gemeinden, sowie aus Wissenschaft, Brauchtum und Kultur. "Ausdrücklich soll es auch ein Gesprächsangebot an Kritiker sein." Losgehen soll es nach den Pfingstferien, mit 20 bis 30 Teilnehmern. "Es soll nicht zu groß sein, es soll aber auch nicht zu exklusiv sein", sagte Söder. Nach dem ersten runden Tisch soll es wohl einzelne Gesprächskreise geben.

"Wir wollen keinen klassischen Gipfel mit formalen Positionen, sondern einen offenen Austausch, mit persönlichen Wertungen und Empfindungen", erklärte Söder. Zum Ziel sagte er: "Es würde helfen, sich gegenseitig besser zu verstehen, den Respekt voreinander und das gegenseitige Verständnis weiterzuentwickeln." Von den beiden großen Kirchen will Söder möglicherweise mehrere Vertreter einladen. "Denn erkennbarerweise gibt es auch innerhalb der Kirchen unterschiedliche Strömungen", sagte er. Die katholische Kirche reagierte überrascht auf die Ankündigung. "Es bleibt zu erwarten, wie sich der runde Tisch konstituieren soll", sagte ein Sprecher des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx. Grundsätzlich sei es gut, wenn man ins Gespräch komme. "Am besten geschieht das immer so früh wie möglich." Den Kabinettsbeschluss, dass im Eingangsbereich jeder Behörde ein Kreuz aufgehängt werden soll, war zum Teil - auch in Kirchenkreisen - als Instrumentalisierung des Kreuzes für Wahlkampfzwecke kritisiert worden.