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Musikbegegnungsstätte:Harmonien aus der Tiefe

Der zu seiner Zeit international bekannte Violinvirtuose Henri Marteau ließ auf einem Hügel in Franken eine Sommervilla bauen.

(Foto: Olaf Przybilla)

Im Haus Marteau in Lichtenberg sollen Kammerkonzerte eine neue Heimat bekommen - in einem unterirdischen Saal

Von Olaf Przybilla, Lichtenberg

Christoph Adt weiß natürlich, mit was die Kleinstadt Lichtenberg gemeinhin verbunden wird. Und der Präsident der Nürnberger Hochschule für Musik ahnt auch, dass das noch lange so bleiben wird. Schließlich ist der Fall Peggy "leider nicht aufgeklärt", sagt Adt. Neuerdings aber gibt es auch andere Meldungen aus dem oberfränkischen Städtchen an der Grenze zu Thüringen. Der Landkreis Hof plant eine Hängebrücke übers Höllental, würde das Projekt zustande kommen, wäre es die längste ihrer Art weltweit. Ganz sicher sogar wird ein zweites Großprojekt in Lichtenberg entstehen. Bereits im Herbst 2018 sollen Kammerkonzerte in einem Erweiterungsbau der Musikbegegnungsstätte im Haus Marteau zu hören sein. Und zwar in einem unterirdischen Saal.

Henri Marteau ist heute primär Kennern bekannt, galt zu seiner Zeit aber als international bekannter Violinvirtuose. 1874 geboren, dürfte sich der Deutsch-Franzose seine Villa in Lichtenberg allein mit Gagen finanziert haben, die ihm seine Tourneen einbrachten. Den Hügel in Franken, auf dem er seine Sommervilla bauen ließ, entdeckte er zufällig, als er einen Freund besuchte. Wobei Lichtenberg zur Zeit Marteaus viel weniger abseits gelegen war, als man das heute denken würde. Der frühere Herrschaftssitz hatte damals noch einen Bahnhof. Dass Lichtenberg in der Mitte lag zwischen Dresden, Prag, Berlin und Wien, den wichtigsten Städten für Tournee-Virtuosen, dürfte den Ort so wertvoll gemacht haben für Marteau. Vor 35 Jahren wurde die Villa dann zur Begegnungsstätte ausgebaut. Junge Musiker, viele aus Fernost, besuchen dort Meisterkurse vor allem bayerischer Professoren. Etwa 1000 Teilnehmer sind es pro Jahr, die Abgeschiedenheit der Künstler-Villa gilt in der Szene als beliebt.

Es gibt dort jetzt bereits einen kleinen Raum für Kammerkonzerte. Um aber besser nach außen wirken zu können, sei ein neuer Saal einfach notwendig, sagt Adt, der künstlerische Leiter des Hauses. In die alte Villa würde ein solcher kaum passen, auch der historische Landschaftspark soll möglichst wenig angetastet werden. Und so soll der Saal für knapp hundert Besucher nun fast vollständig unterirdisch entstehen, trotzdem aber mit natürlichem Licht versorgt werden. "Ein sehr spannendes Projekt", findet Adt. Verantwortlich für den Bau ist der Architekt Peter Haimerl, dessen Konzertsaal in Blaibach im Bayerischen Wald bereits enormen Anklang gefunden hat. 3,2 Millionen Euro sind für den Saal in Lichtenberg veranschlagt, der Bezirk Oberfranken, Träger des Hauses, trägt den größten Teil davon bei. Dass der Saal schon ein Jahr nach dem ersten Spatenstich fertig sein soll, darf als anspruchsvoll gelten. Womöglich aber dürften die anstehenden Wahlen in Bayern dabei eine gewisse Rolle spielen.

© SZ vom 04.10.2017

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