München Mehr Drogen im Netz

Jedes dritte Rauschgiftdelikt wird im Internet verübt

Der Online-Drogenhandel wächst rasant und bereitet dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) zunehmend Sorge. "Nach unseren groben Schätzungen werden in Bayern aktuell gut ein Drittel aller Drogendelikte im Internet verübt", sagte ein Ermittler der Behörde. Die Anzahl der Online-Plattformen für Drogen habe sich seit 2013 verdreifacht. Drei bis vier der Plattformen hätten mindestens das Handelsvolumen der "Silk Road" erreicht, die von 2011 bis 2013 in den USA betrieben wurde. Auf diesem bislang größten aufgedeckten Umschlagplatz im Internet waren laut Ermittlungsakten 1,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt worden, 14 Millionen davon in Deutschland. Die Drogen-Handelsplätze sind im sogenannten Darknet angesiedelt, dem versteckten Teil des Internets, der nur über einen speziellen Browser zugänglich ist.

Aufgebaut sind die Seiten wie legale Online-Shops: Heroin, Kokain oder Crystal Meth landen per Mausklick im Einkaufskorb. "Letzten Endes kann jeder, der sich einen Fahrradschlauch bei Ebay besorgen kann, auch zehn Gramm Amphetamine im Darknet bestellen", so der LKA-Ermittler. Diese Entwicklung sei besorgniserregend.

Bei der Bekämpfung tappen Ermittler bisher oft noch im Dunkeln. Im Schutz des Darknets läuft die Datenübertragung verschlüsselt, bezahlt wird meist mit der Kryptowährung Bitcoin. Die Ware wird anonym per Post versandt. Bisherige Ermittlungserfolge hätten sich nur dann ergeben, wenn die Verkäufer einen Fehler gemacht hätten, etwa Pakete falsch adressierten.

In Zukunft sollen bayerische Dienststellen für das Thema sensibilisiert werden. Was im Darknet möglich ist, sei wohl noch nicht zu jedem Sachbearbeiter durchgedrungen, heißt es vom LKA.