Modellregion Anschubhilfe für E-Wald

Die Elektromobilität kommt vor allem auf dem Land schlecht voran: Nun engagiert sich ausgerechnet die Deutsche Bahn

Von Ralf Scharnitzky

Auf den ersten Blick klingt es paradox: Die Deutsche Bahn will den Verkehr auf den Straßen im Bayerischen Wald ankurbeln. An den Bahnhöfen in Bogen, Plattling, Passau, Vilshofen und Zwiesel können Tagesausflügler, Touristen und Geschäftsleute vom Zug direkt ins Auto umsteigen - und das sogar zu Sonderkonditionen. Auf den zweiten Blick ist es dann schon sinnvoll: Für die Bahnreisenden stehen nämlich verschiedene E-Mobile bereit. Die DB will damit "E-Wald" unterstützen, eine der drei bayerischen Modellregionen für Elektromobilität. Das Projekt kann durchaus Werbung und eine Imageverbesserung brauchen.

Mit insgesamt 37,5 Millionen Euro fördert das Wirtschaftsministerium seit einigen Jahren die Projekte in Bad Neustadt an der Saale, Garmisch-Partenkirchen und im Bayerischen Wald. Mit 19 Millionen erhält E-Wald unter Federführung der Technischen Hochschule Deggendorf den größten Batzen. Für die Staatsregierung spielt bei der Forschung die Praxistauglichkeit der E-Mobilität außerhalb von Ballungsräumen eine besondere Rolle. Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers zeige das Projekt im Bayerischen Wald bereits jetzt, dass Elektromobilität im ländlichen Raum und unter anspruchsvollen klimatischen Bedingungen realisierbar ist.

Seit Mitte vergangenen Jahres läuft der Projektabschnitt "Modellversuch Normalbetrieb", die letzte bis Ende 2016 geförderte Phase. Seither sorgt E-Wald vor allem in den sechs beteiligten Landkreisen für Schlagzeilen: Um seine erweiterte E-Carsharing-Komponente finanzieren zu können, braucht die E-Wald-GmbH, die für die Umsetzung zuständig ist, zusätzliche Mittel - aus den Kreishaushalten. Von 1,8 Millionen Euro war anfänglich die Rede, 300 000 Euro für jeden Landkreis. Inzwischen wurde die Zuschussforderung abgespeckt. Trotzdem ist in den Kreistagen die Debatte um die Kosten-Nutzen-Relation von E-Wald aufs Neue entbrannt. Kritiker bemängeln immer wieder, dass das Projekt Schwierigkeiten habe, schwarze Zahlen zu schreiben. Manche sprechen sogar von Insolvenz, die nur durch die zusätzliche Finanzspritze der Landkreise abgewendet wurde. An der Hochschule kann man die Debatten nicht verstehen: Nach Ansicht von Projektleiter Peter Sperber ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis "sehr gut". Im Straubinger Tagblatt sprach der Hochschul-Professor von einer "ziemlich einmaligen Kosteneffizienz"; allerdings nur dank der Staatszuschüsse.

Unstrittig ist, dass im Bayerischen Wald seit 2011 das größte Elektromobilitätsprojekt Deutschlands geschaffen worden ist, mit dem bundesweit dichtesten Ladenetz: 200 Elektroautos, 150 Ladestationen und 100 Carsharing-Standorte. E-Wald sei ein "Vorzeigeprojekt" sagte Wirtschaftsstaatssekretär Franz-Josef Pschierer am Donnerstag auf dem Münchner Hauptbahnhof bei der Vorstellung der DB-Aktion: Man brauche solche Vorzeigeprojekte und Aktionen, wenn man die Vorgaben von Kanzlerin Angela Merkel erfüllen wolle, bis 2020 eine Million E-Autos auf den deutschen Straßen zu haben. Pschierer: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, erreichen wir das Ziel nicht."