Modellbau-Affäre Was bislang im Untersuchungsausschuss passiert ist

Lange ging es in dem Ausschuss vor allem um die Abläufe in den forensischen Einrichtungen, in denen die Modellautos gebaut wurden, oder, wie oben erwähnt, um belastende Akten, die aus dem Sozialministerium - damals noch unter Haderthauers Führung - verschwunden sein sollen. Doch nun sind die Akteure dran. Vor Roland S. sagte bereits der ehemalige Geschäftspartner der Haderthauers, Roger Ponton, aus. Der 85-Jährige sieht sich als Opfer: Er sei hinters Licht geführt worden und habe vom Verkauf der Autos keinen Cent gesehen.

Warum gegen die Haderthauers ermittelt wird?

Die Eheleute Christine und Hubert Haderthauer waren bis 2008 nacheinander Miteigentümer der Firma Sapor Modelltechnik. Pikant waren die Geschäfte mit den Modellautos, weil Hubert Haderthauer Landgerichtsarzt ist.

Seit vergangenem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen Verdachts auf Betrug und Steuerhinterziehung. Geprüft wird, ob Einnahmen aus dem Modellauto-Verkauf nicht korrekt angegeben und versteuert wurden.

Hintergrund ist eine Anzeige des früheren Mitgesellschafters Roger Ponton. Der französische Geschäftsmann warf dem Ehepaar Haderthauer vor, ihn um mehrere Zehntausend Euro geprellt zu haben. Ponton hatte im Jahr 2011 von beiden 20 000 Euro Abfindung für seinen Anteil an dem Unternhemen erhalten. Ponton glaubt aber, dass das Ehepaar die Sapor-Gewinne zu niedrig angab und er für seinen Anteil das Doppelte bis Dreifache hätte bekommen müssen.

Ermittelt wird auch wegen Steuerhinterziehung. So wird geprüft, ob die Haderthauers Einnahmen aus dem Modellauto-Verkauf nicht versteuerten, darauf deuten einzelne fragwürdige Überweisungen hin.

Was bedeutet das für die CSU-Politikerin?

Christine Haderthauer, die wegen der Affäre im September 2014 von ihrem Amt als Staatskanzleichefin zurücktreten musste, hat sämtliche Vorwürfe bislang stets als falsch zurückgewiesen. Alle weiteren Konsequenzen für die CSU-Politikerin hängen von den Ermittlungen der Staatsanwalt ab. Falls diese noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden, könnte Haderthauer sehr bald auf der Anklagebank landen. Könnte, wohlgemerkt, denn sicher ist das noch nicht.

Wenn sie dann auch noch verurteilt würde, wäre das wohl das Ende ihrer Karriere und ein ziemlich tiefer Sturz. Immerhin galt Haderthauer lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Spitzenposten in der CSU in der Zeit nach Horst Seehofer.

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Christine Haderthauer

Ihre Karriere in Bildern

Als Generalsekretärin hatte sie den Absturz der CSU mit zu verantworten, als Sozialministerin blieb sie frostig. Erst in der Staatskanzlei blühte Christine Haderthauer auf - bis sie über die Modellbau-Affäre stolperte. Eine Karriere in Bildern.

(Mit Material aus den Agenturen)