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Modellbau-Affäre:Haderthauer mangelt es an Demut

Christine Haderthauer

Die ehemalige CSU-Ministerin Christine Haderthauer kommt mit einem Strafbefehl davon.

(Foto: dpa)

Die frühere CSU-Ministerin Christine Haderthauer kommt mit einem Strafbefehl davon. Es scheint, sie hat aus der Affäre nichts gelernt.

Kommentar von Dietrich Mittler

Der drohende Strafbefehl gegen die frühere Ministerin macht zweierlei deutlich: Erstens handelte es sich bei den Vorwürfen gegen sie eben doch nicht nur um ein "Sommertheater", wie sie es selbst nannte. Zweitens hat sie dem Landtag nach heutigem Stand wohl nicht die volle Wahrheit gesagt:

Sie war sehr wohl länger in die Geschäfte mit den Modellautos involviert, als sie angegeben hatte. Sie hat den Apparat der Staatskanzlei dazu genutzt, um auf Journalisten Druck auszuüben - und das in einer Sache, die nicht einmal die Ministerin selbst, sondern ihren Ehemann betraf. Das ist zwar nicht justiziabel, ihr Rücktritt vom Amt der Staatskanzleichefin war dennoch unvermeidlich und eine Folge ihres ungeschickten Krisenmanagements. Auch wenn sie dies eigenen Worten nach nur tat, um die Staatsregierung vor Schaden zu bewahren.

Hinzu kommt: Haderthauer war zuvor Sozialministerin. Selbst ihren Beamten erschien es seltsam, dass ihr Mann Hubert als früherer Forensikarzt psychisch kranke Straftäter damit beschäftigte, exklusive Modellautos zu bauen - und dann auch noch mit dem Vertrieb der Autos Geld verdiente. Ein internes Schreiben, in dem solche Zweifel angesprochen wurden, verschwand und tauchte erst wieder auf, als im Landtag penetrant danach gefragt wurde. Auch das ist nicht strafbar, aber es trägt nicht gerade zu Haderthauers politischer Glaubwürdigkeit bei.

Eine Anklage und das damit verbundene Gerichtsverfahren hätten Christine Haderthauer die Chance eingeräumt, in aller Öffentlichkeit ihre Unschuld zu beweisen. So aber bleibt lediglich ein Strafbefehl wegen eines steuerlichen Vergehens, das angesichts der Schadenshöhe von 2300 Euro geringfügig erscheinen mag - wäre nicht der Name einer früheren Staatskanzleichefin damit verknüpft. Und wer dieses Amt innehat, sollte Vorbild sein. Glaubt man zumindest. Haderthauer fühlt sich nach wie vor frei von Schuld. Demut hat sie durch die Affäre jedenfalls nicht gelernt.

© SZ vom 03.11.2015/infu

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