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Mitten in Coburg:Das wird Brose ja noch sagen dürfen

"Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen", soll einst der Wunsch von König Ludwig II. gewesen sein. Passen würde das allerdings auch als Motto der Unternehmens­kommunikation von Brose. Ein ewig Missver­ständnis bleibt sie allemal

Glosse von Olaf Przybilla

Für einen, der in den Neunzigerjahren politisch sozialisiert worden ist, gab es immerhin eine Gewissheit. Der bayerische Innenminister heißt immer: Günther Beckstein. (Bösmeinende glauben ja, dass sich an ihm exemplarisch der Grundsatz bewahrheitet habe, dass einer leider immer so lange befördert wird, bis er nicht mehr ganz so geeignet ist für seine Aufgabe - denn so lange Beckstein Innenminister war, so kurz war er anschließend Ministerpräsident. Aber das tut jetzt hier nichts zur Sache.)

Jedenfalls gibt es das Prinzip Beckstein: Einer tut etwas - fast - für immer. Und es gibt Jobs wie den des Kommunikators beim Automobilzulieferer Brose, dem Weltkonzern mit Coburger Wurzeln. Dort gibt es - so ist der Eindruck - eine erfrischende Fluktuation bei jenen, die für die Firma sprechen. Woran das liegen mag? Schwer zu sagen. Könnte aber sein, dass die Wege des Konzerns nicht immer allen ohne größeren Aufwand auf die sympathischste Art zu vermitteln sind.

Neuster Fall: Brose will investieren und zwar satt. In Summe, ist einer Erklärung des Unternehmens zu entnehmen, gehe es um 130 Millionen Euro. Nächster Satz: "Ob diese Erweiterungen unter den schwierigen Bedingungen im Coburger Stadtgebiet oder auf dem von der Stadt Bamberg perfekt vorbereiteten Baugrundstück am Berliner Ring stattfinden", hänge nun von der Stadt Coburg ab.

Die hatte sich zuvor gegen die Verbreiterung der Bundesstraße 4 an einer Engstelle ausgesprochen. Und habe sich damit, findet jedenfalls Brose, "gegen die Interessen der gesamten Wirtschaft" gestellt. Nun haben diese Erklärung besorgte Bürger in Coburg wohl als eine Art Nötigung empfunden - in dem Sinne: Wer nicht spurt, der wird dann schon sehen. Aber da ist selbstredend wieder mal etwas gehörig missverstanden worden, wie so oft schon in der Firmengeschichte.

Und wer ist schuld daran? Natürlich: "Missverständliche Darstellungen in den Medien" habe es in der Sache gegeben, zitiert die Coburger Neue Presse aus einer internen Brose-Mitteilung. Keineswegs also wollte man den Straßenausbau erzwingen - Gott bewahre. Nur um "die Unterstützung einer sachlichen Debatte" sei gebeten worden. Wird man ja wohl noch dürfen! Es muss was Wunderbares sein, Chefkommunikator bei Brose zu sein.

© SZ vom 17.02.2021
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