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Mitten in Bayern:Zu ehrliche Trachtler

Viele Autos vor der Tür, das ist derzeit sowieso verdächtig. Und dann haben die Mittenwalder Vorstandsmitglieder auch noch von einer Fahnenweihe geredet

Kolumne von Matthias Köpf

Eigentlich hätten die Mittenwalder Trachtler ja gewarnt sein können, schließlich hätte es den Wählerverein im nahen Wallgau neulich auch fast erwischt. Genau genommen hätte es den Wählerverein nicht bloß irgendwie erwischt, sondern er wäre regelrecht erwischt worden. Nur klingt "erwischt werden" gerade so, als ob der Wählerverein da etwas Verbotenes getan hätte - die Wallgauer Gemeinderatswahl fälschen, zum Beispiel, doch das war ja dieser Kandidat von den "Jungen Mitarbeitern", der sich beim Auszählen offenbar selber noch in den Rat hatte kreuzeln wollen und dem die Staatsanwaltschaft deshalb jetzt einen Strafbefehl zustellen lassen will. Mit dem Wählerverein Wallgau hingegen müssen sich keinerlei Strafverfolger mehr befassen, obwohl die Polizei da eine Versammlung ausgehoben hatte, die durchaus nicht den geltenden Geboten des Infektionsschutzes entsprach. Doch die Versammlung des Wählervereins diente der Vorbereitung auf die Gemeinderatssitzung, und Kommunalpolitik ist wichtig und also trotz Corona ein triftiger Grund. Fahnenweihe aber nicht.

Vielleicht hätten die Vorstandsmitglieder des Mittenwalder Gebirgs-Trachten-Vereins, der übrigens aus rein topografischen Gründen "D'Kranzbergler" heißen müsste, wenn sich nämliche Kranzbergler nicht 1920 in München gegründet hätten, um dortselbst die "Isarwinkler Gebirgstracht" zu pflegen - vielleicht also hätten die Mittenwalder Vorständler der Polizei einfach sagen sollen, sie wollten sich auf den Gemeinderat vorbereiten, statt gleich zuzugeben, dass es um die Planung der Fahnenweihe ging. Oder sie hätten von Haus aus zu Fuß ins Vereinsheim gehen sollen. Es seien da einfach zu viele Autos vor der Tür gestanden, zitiert das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt nämlich den zuständigen Inspektionsleiter.

Das Landratsamt sieht sich nun jedenfalls zu einem Bußgeldverfahren gezwungen. Vielleicht wird man als Spätfolge die Trachtler aus den verschiedenen Ortschaften an der oberen Isar irgendwann ja auch daran unterscheiden können, welchen Schnitt sie beim Mundschutz bevorzugen und ob der Gummi in Hellgrün oder in Dunkelgrün angenäht ist. Das können sich dann die Mittenwalder auf die Fahne schreiben. D'Kranzbergler in München werden da nur nachziehen können.

© SZ vom 13.05.2020

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