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Mitten in Bayern:Staatshilfen für die Tennisprofis

Der Bezirk fördert ein ATP-Turnier in Ismaning auf überaus großzügige Weise

Glosse von Matthias Köpf

Der Bezirk Oberbayern müsste das nicht machen, darauf weist er ausdrücklich hin. Schließlich sind Bayerns Bezirke primär dem Sozialen verpflichtet, Zuschüsse für Kultur und Sport sind freiwillige Leistungen. Umso generöser also, dass der Bezirk Oberbayern heuer 14 500 Euro für den Gehörlosen-Sportverband und 2300 Euro für den Dachverband des Behinderten- und Rehabilitationssports ausgibt. Und satte 42 875 Euro für ein Profi-Tennisturnier in Ismaning.

Das ist immerhin mehr als ein Viertel seiner gesamten Sportförderung in diesem Jahr und bei Weitem der größte Einzelposten. Der Landes-Sportverband bekommt zwar insgesamt 48 000 Euro, dies aber für sehr viele verschiedene Trainerausbildungen und Oberbayerische Meisterschaften. Beim ATP-Tennisturnier in Ismaning dagegen reicht die Fördersumme nur fast für die 44 820 Euro Preisgeld, die dort heuer ausgeschüttet werden. Turniere wie dieses sind eher nichts für Breitensportler. Über sie können sich internationale Profis das Ticket zum ganz großen Tenniszirkus erspielen. Angesichts dessen sowie entsprechender Kritik aus der Linken und der FDP hatte auch den Kulturausschuss des Bezirkstags größeres Unbehagen beschlichen, ob es da wirklich Zuschüsse vom Bezirk braucht. Nur dieses eine Mal noch, lautete am Ende der Beschluss. Denn die Förderrichtlinien sähen nun einmal vor, das jeder Antragsteller bis zu ein Zehntel seiner Kosten als Zuschuss erhalten kann. Zwar sehen diese Förderrichtlinien keineswegs vor, dass der Bezirk alle Antragsteller auch wirklich mit zehn Prozent ihrer Kosten fördern muss oder ihnen überhaupt irgendeinen Zuschuss schuldet. Andererseits dürfe man im Sinne des Vertrauensschutzes nicht jene Antragsteller enttäuschen, die fest auf die Zuschüsse gebaut hätten, lautete die Argumentation der Bezirksverwaltung. Also entschied sich der Kulturausschuss mit denkbar knapper Mehrheit für das Tennisturnier. Ab 2022 sollen die Sportverbände ihr Geld aber über Kooperationsvereinbarungen erhalten und alle anderen Sport-Zuschüsse auf 15 000 Euro gedeckelt werden. Falls es einer der Ismaninger Turnierteilnehmer bis dahin zum "Tennismillionär" gebracht hat, wie es der linke Bezirksrat Klaus Weber ausdrückt, kann er den Bezirk ja mit bis zu zehn Prozent bei der Sportförderung unterstützen.

© SZ vom 21.04.2021
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