Mitten in Bayern:Nichts als Wind am Truppenübungplatz

Ministerpräsident Markus Söder brillierte kürzlich bei seiner Regierungserklärung mit der Idee, Windräder auf Truppen­übungsplätzen aufzustellen. Da gibt es zumindest keine meckernden Nachbarn. Das allein reicht aber nicht

Glosse von Johann Osel

Es wolle "keiner so was vor der Haustür haben", meinte ein Oberstleutnant, im konkreten Fall lasse aber der Militärbetrieb einfach kein Windrad zu. Schon fast 20 Jahre ist es her, dass nahe dem Truppenübungsplatz Hammelburg in Unterfranken über Windräder debattiert wurde. Im Zeitungsarchiv lassen sich die damaligen Einwände nachlesen: Hubschrauber könnten nicht wie gewohnt aufsteigen und mit der Munition das Schussfeld erreichen. Das ist wohl zu bedenken, wenn es um das geht, was Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kürzlich in seiner Regierungserklärung zum Klimaschutz vorstellte: Beim "Kraftakt" der Regierung könnten Windräder auf Truppenübungsplätzen aufgestellt werden. Nörgelnde Hausbesitzer gibt es da ja nicht. Söder erwähnte die "unendlichen Streitigkeiten" bei Windrädern. Man rede über Militärplätze, "weil dort größere Potenziale bestehen, dies zu machen".

Schwerter zu Rotorblättern also, um mal ein Zitat aus Bibel und Friedensbewegung abzuwandeln. Energieexperten hatten nach dem Vorstoß rasch eingewandt, dass sie sich die Umsetzung kaum vorstellen könnten - und dass, sollte doch das eine oder andere Windrad dort entstehen, dies angesichts des Bedarfs nicht ins Gewicht falle. Bisher gibt es bundesweit jedenfalls kein Windrad direkt auf derlei Anlagen. Zumindest ist einem Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage der SZ keines bekannt. Anfragen für Windräder in der Nähe von Truppenübungsplätzen gibt es "regelmäßig, mehrere pro Jahr", Anfragen für direkt darauf seien "nicht bekannt". Verteidigungsministerium und Bundeswehr unterstützten die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung und damit den Windenergieausbau, "soweit militärische Belange diesen Zielen nicht entgegenstehen". Man stehe dem fachlichen Diskurs immer offen gegenüber, prüfe aber jeden Einzelfall: In Übungen werden Bodenkräfte zunehmend durch bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge unterstützt. Drohnen, Hubschrauber und zum Teil Kampfjets setzten "einen ausreichenden Abstand zu Hindernissen voraus".

Insofern lässt sich sagen, dass Söders Idee, deren Urheberschaft er in der CSU-Fraktion verortete, Neuigkeitswert hatte. Was daraus wird? Weiß nur der Wind.

© SZ vom 03.09.2021
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