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Mittelfranken:Eingemauertes Ehepaar aus Schnaittach wurde erschlagen

Vermisstes Ehepaar - Sohn und dessen Frau festgenommen

Spurensicherung auf dem Anwesen des seit Mitte Dezember 2017 vermissten Ehepaars

(Foto: dpa)
  • Das eingemauerte Ehepaar aus Schnaittach nahe Nürnberg ist erschlagen worden.
  • Nach dem vorläufigem Obduktionsergebnis seien beide an einem Schädel-Hirn-Trauma gestorben, teilte die Staatsanwaltschat Nürnberg-Fürth mit.
  • Tatverdächtig sind der 25 Jahre alte Sohn der Eheleute sowie dessen 22-jährige Ehefrau.

Von Olaf Przybilla

Die beiden Leichen, die am Montag im fränkischen Schnaittach gefunden wurden, sind Opfer stumpfer Gewalt geworden. Dies hat die Obduktion ergeben, sagte die Sprecherin der Nürnberger Staatsanwaltschaft, Anita Traud. Die Leichen waren auf dem Grundstück eingemauert und in Folie eingepackt worden. Über beide wurde ein Mittel gestreut, womöglich um austretende Flüssigkeit zu binden.

In einer Montagegrube hat die Polizei überdies belastendes Material entdeckt, das dort einbetoniert wurde. Mit einem der gefundenen Gegenstände könnte die Tat vollbracht worden sein. Ein Ermittler sprach von einem "Gewaltexess" gegen die Köpfe der Getöteten. Dies ist auch der Grund, warum noch nicht mit vollständiger Sicherheit geklärt werden konnte, ob es sich bei der Getöteten um die Mutter des verdächtigten 25-Jährigen handelt. Dass es sich bei der männlichen Leiche um dessen Vater handelt, sei zweifelsfrei klar.

Geprüft werden verschiedene Mordmotive. Aus Ermittlerkreisen heißt es, vor allem Habgier komme in Betracht. Offenbar hatte der 25-Jährige Schulden. Auch soll seine 22-jährige Partnerin, die er kurz nach der mutmaßlichen Tat heiratete, von den Eltern nicht akzeptiert worden sein. Ob möglicherweise eine Erkrankung der beiden Beschuldigten in Betracht kommt, sollen psychiatrische Gutachten klären. Der 25-Jährige schweigt. Dass seine Frau ihn mit ihrer Aussage schwer belastet hat, könne man so deuten, sagt ein Ermittler.

Sollte eine Anklageschrift von Habgier als Mordmotiv ausgehen, könnte auch ein versuchter Betrug des Verdächtigten eine Rolle spielen. Er hatte ein Spendenkonto eingerichtet und auf Facebook um Geld gebeten. Angeblich wollte er damit "im Ausland" nach seinen Eltern suchen. Eingehendes Geld werde er für Suchanzeigen in Zeitungen verwenden, gab er an. Dafür, dass den 25-Jährigen Geldsorgen plagten, sprechen noch andere Indizien. So soll er kurz, nachdem er die Eltern als vermisst meldete, ein Wohnmobil im Internet zum Kauf angeboten haben.

© SZ.de/mmo
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