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Medizin:Mehr Anträge für Cannabis

Kassen bewilligen die Mehrzahl der Patientenanfragen

Seitdem der Gesetzgeber Cannabis zur medizinischen Verwendung freigegeben hat, sehen sich Bayerns Krankenkassen verstärkt mit Anträgen konfrontiert, die Kosten dieser Behandlung zu übernehmen. Wie die AOK Bayern am Donnerstag bekannt gab, sind seit Inkrafttreten des Gesetzes am 10. März 2017 bei ihr etwas mehr als 2600 solcher Anträge eingegangen. In der Mehrzahl der Fälle (80,02 Prozent) habe die Kasse dem Antrag zugestimmt. Auch die Barmer meldet ein steigendes Interesse. "Medizinisches Cannabis ist aus der Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr wegzudenken. Es ist aber kein Allheilmittel", hieß es dort. Cannabis-Arzneimittel werden etwa bei Krankheiten wie der Multiplen Sklerose oder bei chronischen Schmerzen eingesetzt.

Einen "katastrophalen Umgang mit Cannabis-Patienten" will indes Sascha Heuft, Patientensprecher im Cannabis Verband Bayern, ausgemacht haben. Der Verband kritisiert, es würden "zu wenig Ärzte Cannabis verschreiben". Beim 17. Suchtforum in Bayern wurde Mitte der Woche klar, dass in Bayerns Ärzteschaft in der Tat noch Bedenken bestehen, das Medikament zu verschreiben - aus mehreren Gründen. So hat der Gesetzgeber etwa vorgegeben, dass Cannabis-Medikamente nur dann verschrieben werden sollen, wenn es keine Alternative dazu gibt - sprich als "Ultima Ratio". Zweitens: "Die Studienlage zur Wirkung von Arzneimitteln auf Cannabis-Basis ist immer noch recht dürftig", brachte es die Suchtbeauftragte Heidemarie Lux für die Bayerische Landesärztekammer auf den Punkt. Zudem: Viele Ärzte befürchten, die Kassen könnten im Einzelfall doch nicht die Kosten übernehmen. "Der verschreibende Arzt zahlt dann aus eigener Tasche", sagte Lux. Aufgrund des hohen Interesses wird das Suchtforum am 7. November 2018 in Nürnberg wiederholt.

© SZ vom 13.04.2018 / dm

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