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Landwirtschaft:Bündnis für Agrarwende

Bauern-, Umwelt- und Tierschutzverbände fordern, Öko- und regionalen Landbau sowie Tierwohl zu stärken

Von Christian Sebald

Saftige Wiesen und fruchtbare Äcker, kräftige Kühe auf den Weiden und Almen und überschaubare, familiengeführte Bauernhöfe: Das ist das Bild von der Landwirtschaft in Bayern, das Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) gerne zeichnet. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus: In den letzten zehn Jahren haben in Bayern rechnerisch jeden Tag drei oder vier Bauernhöfe aufgegeben. Die Tierschutzskandale im Allgäu haben gezeigt, dass es auch in Bayern längst Großbetriebe mit Hunderten Rindern gibt. Bei den Schweine- und Geflügelhaltern sind es oft sogar Tausende Tiere. Am Freitag hat deshalb ein Bündnis aus zwölf Bauern-, Umwelt- und Tierschutzverbänden in München für eine Wende der Agrarpolitik in Bayern demonstriert.

Das Übel ist aus Sicht des Bündnisses, das von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) über Greenpeace und Bund Naturschutz bis hin zu Slowfood reicht, dass auch Landwirtschaft in Bayern vielfach "auf den Weltmarkt und seine Billigprodukte" ausgerichtet ist. "Das ist aber keine Perspektive", sagt AbL-Chef Josef Schmid. Stattdessen solle der Freistaat den Öko-Landbau und die regionale Vermarktung stärken, außerdem müssten Bauern, die besonders auf den Umwelt- und den Klimaschutz, aber auch das Tierwohl achten, mehr gefördert werden als bisher.

Die Imker kritisieren scharf, dass nach wie vor Zigtausende Bienen und andere Insekten an Pflanzenschutzmitteln sterben - obwohl Ministerpräsident Markus Söder nach dem das Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" zugesichert hatte, mehr für ihren Schutz zu tun. Statt aber, wie versprochen, den Einsatz von Agrarchemie deutlich zu reduzieren, habe Bayern seither sogar Notfallzulassungen für eigentlich verbotene Mittel ermöglicht. Die Biobauern erwarten sich ein klares Bekenntnis der Staatsregierung zur Bio-Landwirtschaft, "damit wir das im Naturschutzgesetz verankerte Ziel von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 erreichen können", wie Hubert Heigl von der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau sagt. Die bisherigen Initiativen reichten dazu nicht aus. "Bio setzt den Maßstab für mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz", sagt Heigl, diese Erkenntnis müsse sich in der Politik niederschlagen.

Agrarministerin Kaniber, die zu der Kundgebung gekommen war, gab sich dialogbereit. Sie warnte aber davor, die konventionelle gegen die ökologische Landwirtschaft auszuspielen. Zugleich betonte sie, dass Umwelt- und Artenschutz "nur im Schulterschluss mit der Landwirtschaft" funktioniere, Bayern müsse auf eine "Partnerschaft von Ökologie und Ökonomie" setzen. Die Anforderungen an die Bauern müssten außerdem umsetzbar sein, "sie dürfen die Betriebe nicht überfordern".

© SZ vom 17.04.2021
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