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Landesvorsitz:Zoff unter den SPD-Kandidaten

Kohnen verteilt schon Posten und wird dafür massiv kritisiert

Der Kampf um den SPD-Landesvorsitz nimmt an Schärfe zu. So muss sich Generalsekretärin Natascha Kohnen von ihren Mitbewerbern massive Kritik gefallen lassen für ihre Aussage, im Fall ihres Wahlsiegs den Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch als neuen Generalsekretär an ihre Seite zu holen. Er halte diese Ankündigung für "völlig verfehlt" und für "schlechten Stil", sagt der Münchner Landtagsabgeordnete und Mit-Kandidat Florian von Brunn: "Ich finde es mehr als voreilig, jetzt schon das Fell des Bären zu verteilen." Das Wort hätten zunächst die 60 000 SPD-Mitglieder. Sie können in der laufenden Befragung zwischen sechs Kandidaten wählen. Es sei eine Frage des Anstands, das Votum abzuwarten, anstatt so zu tun, als sei "die Sache schon gegessen", sagt Brunn.

Der Pfaffenhofener Markus Käser, ebenfalls ein Kandidat für den Landesvorsitz, spricht von Täuschung. Bei den Vorstellungsrunden habe Kohnen betont, bis zum Ende der Urwahl habe niemand das Recht, "irgendwas zu benennen". "Gestern noch versprochen, heute schon gebrochen", sagt Käser. Besonders bitter sei dies für SPD-Mitglieder, die sich auf Kohnens Aussagen verlassen und bereits abgestimmt hätten. Für Käser ein weiterer Beweis für den Satz: "Echter Neuanfang geht nur von unten."

Konkurrenten werfen Kohnen vor, jetzt schon Posten zu verteilen, um ihre Mehrheit zu sichern. Uli Grötsch sei "fachlich top - und auch einer der loyalsten Kollegen", sagte Kohnen der Mittelbayerischen Zeitung. Der Bundestagsabgeordnete besetze das wichtige Thema Sicherheit, sei in Berlin hoch angesehen und kenne Bayerns SPD aus dem Effeff. Grötsch, 41, stammt aus Weiden in der Oberpfalz - seinem Bezirkschef Franz Schindler werden Sympathien für Brunn nachgesagt. Derweil hat sich mit der Juso-Bundesvorsitzenden Johanna Uekermann aus Niederbayern im Straubinger Tagblatt eine weitere prominente SPD-Kraft für Kohnen ausgesprochen. Auch Landeschef Florian Pronold wirbt für seine Generalsekretärin. Gewählt werden soll am 20. Mai.

© SZ vom 11.04.2017 / nell, wiw

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