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Kopf hinter Nichtraucher-Volksbegehren:Einst Ministrant, jetzt Rebell

Der Mann, der CSU und FDP beim Nichtraucherschutz in die Knie gezwungen hat: Sebastian Frankenberger, ÖDP-Stadtrat in Passau, ist der Anführer der Protestbewegung.

Sein Markenzeichen sind die langen dunklen Haare, zu denen in den vergangenen Wochen auch müde Augen gekommen sind. Denn Sebastian Frankenberger, 28, Hauptorganisator des Volksbegehrens, erwischte von Anfang November an kaum mehr als vier Stunden Schlaf pro Nacht.

Sebastian Frankenberger, der Mann hinter dem erfolgreichen Volksbegehren.

(Foto: Foto: dpa)

Einmal habe er es, so erzählt Frankenberger, in Passau gar nicht mehr in seine Wohnung geschafft. "Da bin ich auf der Treppe sitzend im Flur eingeschlafen." Doch momentan haben das Adrenalin und der Stress alle Müdigkeit verdrängt. "Seit sechs Uhr morgens gebe ich Interviews."

Nur ein paar Minuten hatte er seit dem Erfolg für sich, als er in München über den Marienplatz bummelte. "Da wird"s einem innerlich warm, wenn man merkt, was man erreicht hat", sagt Frankenberger. "Ich wollte schon immer die Welt verändern." Das ging schon am Adalbert-Stifter-Gymnasium in seiner Heimatstadt Passau los, wo er sich als Schülersprecher einbrachte. Danach suchte er nach einem Plan fürs Leben: Das Lehramtsstudium für Mathematik und Physik erwies sich nicht als der richtige Weg.

Bei Bedarf Religionslehrer

Recht viel besser erging es ihm auch mit der Theologie nicht. Mitten im Studium stellte ihn die Kirche wie viele seiner Kollegen vor die Wahl: entweder Priesterweihe oder arbeitslos in seinem Wunschberuf Pastoralreferent. Da ließ er das Studieren lieber sein und nutzte sein kreatives Talent und die Liebe zum Theater und zur Musik: Frankenberger leitet im Kostüm historische Stadtführungen in Salzburg und Linz, in denen die ganze Gruppe wie in einem Improvisationstheater Geschichte erlebt. Und bei Bedarf hilft er als Religionslehrer aus.

Der Glaube spielte schon immer eine große Rolle beim Passauer. Der frühere Ministrant leitet heute den Pfarrgemeinderat St. Josef und engagiert sich auch als Notfallseelsorger im Dekanat Passau. Seine ersten politischen Schritte absolvierte Frankenberger in der christlichen Partei, der er mit dem Volksbegehren einen herben Dämpfer verpasste: Er leitete die Schülerunion der CSU in Passau.

Doch irgendwann merkte er, dass ihn seine Parteifreunde als "grünen Spitzel" hinstellten, weil er sich unbedingt für die Rettung eines Naturschutzgebiets einsetzen wollte. Als sich Aktivisten der ÖDP an Bäume ketteten, ließ er sich gleich mit festschnallen und wechselte am Tag darauf die Partei.

Mittlerweile sitzt er für die ÖDP im Passauer Stadtrat. Die Idee zu einem Volksbegehren für einen strikten Nichtraucherschutz hatte er schon länger. Als die CSU dann ihren Zickzackkurs einschlug, brachte er das Vorliegen im damals frisch gewählten Landesvorstand vor. "Die habe ich mit dem Vorsitzenden Bernhard Suttner ein bisschen übertölpelt, in einem günstigen Moment habe ich gesagt, ich organisiere das alles." Was er sich damit aufhalsen würde, wusste er damals noch nicht. Doch die Plackerei habe sich gelohnt, sagt Frankenberger: "Ein bisschen haben wir auch Geschichte geschrieben."

Volksbegehren zum Nichtraucherschutz

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