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Kinderbetreuung:Nicht nur die Öko-Eltern bringen die Kinder in den Wald

Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Seit 2011 steigt die Zahl der Neugeborenen nach Daten des Statistischen Landesamts in Bayern wieder an. Mehr Kinder erfordern mehr Kindergartenplätze, und weil sie in ihrer Errichtung und im Unterhalt günstiger sind als Regelkindergärten, sind Waldkindergärten in den Kommunen oft eine gern gesehene Alternative. Diese Entwicklung ist auch im Landkreis Landshut erkennbar, wo Huber Ende der Neunzigerjahre mit engagierten Eltern vier der ersten Waldkindergärten in Bayern aufgebaut hat.

Mit durchschnittlich 1,72 Kindern pro Frau ist der Landkreis in der aktuellen Geburtenstatistik Spitzenreiter; für die Betreuung des Landkreisnachwuchses stehen insgesamt 63 Kindergärten zur Verfügung. Sieben davon sind Waldkindergärten, an sechs Regelkindergärten gibt es zusätzliche Waldgruppen, und ein weiterer Waldkindergarten befindet sich derzeit in der Genehmigungsphase.

Siegsdorf: Waldkindergarten Eisenärzt

Beim Vorlesen lauschen die Kinder vom Waldkindergarten einer Geschichte und wohl auch den Stimmen des Waldes.

(Foto: Johannes Simon)

Zu den bevölkerungspolitischen Gründen kommt die Überzeugung der Eltern. Huber stellt fest, dass immer mehr Eltern, die sich Gedanken darüber machen, was für ihr Kind im Vorschulalter wichtig ist, auf das Konzept der Waldpädagogik stoßen. Denn "den jungen Persönlichkeiten Zeit zum Reifen geben", sagt Huber, das sei nirgendwo besser möglich als in der Natur.

Das Image der Öko-Eltern, die ihre Kinder in den Waldkindergarten schicken, hat dabei längst ausgedient. Eltern aus allen sozialen Schichten entscheiden sich mittlerweile für diese Form der Betreuung. Fragt man die Eltern der Eisenärzter Waldkindergartenkinder, warum sie sich für diesen Kindergarten entschieden haben, begründen sie ihre Entscheidung so: "Es gibt doch für ein Kind nichts Schöneres, als draußen zu sein", "die Kinder sind noch lange genug eingesperrt", oder "sie können einfach viel lernen von der Natur", heißt es da.

Im letzten Punkt gibt ihnen die Wissenschaft recht. Die Liste der vielfach untersuchten Vorteile für Kinder, die einen Wald- oder Naturkindergarten besuchen, ist lang: Die Grobmotorik wird besser entwickelt, das Immunsystem gestärkt, Kreativität und Fantasie gefördert, die Sprachentwicklung unterstützt. Auch lernen die Kinder den Umgang mit Gefahren besser einzuschätzen. Nina Schoepe erklärt das am Beispiel des Schnitzmessers: "Natürlich tut sich ab und zu mal einer weh. Aber wenn die Kinder schon im Kindergartenalter lernen, mit einem scharfen Messer umzugehen, dann fördern wir nicht nur ihre Konzentration, sondern auch den Umgang mit realen Gefahren."

Von all diesen Überlegungen haben Madita und ihre Spielkameraden aus dem Eisenärzter Waldkindergarten keine Ahnung. Sie nehmen ihre Tage im Wald ganz einfach, wie sie kommen. Und wenn an einem dieser Tage eine Maus begraben werden will, dann wird sie das eben. Ohne großes Aufsehen, ohne Scheu und Ekel.

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