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Kampf gegen Analphabetismus:Lebenslanges Lernen

Die Landtags-SPD will die Erwachsenenbildung reformieren

Etwa eine Million Bayern sind funktionale Analphabeten. Das bedeutet, dass sie zwar ihren Alltag meistern, allerdings ohne Lesen oder Schreiben zu können. Kathi Petersen, Bildungspolitikerin der SPD-Landtagsfraktion, setzt deshalb auf eine Reform der Erwachsenenbildung. Derzeit zahlt der Freistaat jährlich 19,8 Millionen Euro an Träger wie Volkshochschulen, die Kirchen oder den Bauernverband. Die staatlichen Zuschüsse werden nach der Anzahl der Teilnehmer in einem Kurs oder der Summe der geleisteten Stunden gezahlt. Kleine, ehrenamtlich geführte Einrichtungen erhalten dadurch weniger Förderung und bleiben nur mit höheren Teilnehmerbeiträgen rentabel. Damit sind sie nicht für alle Bürger zugänglich.

Welchen Effekt dieses Prinzip hat, zeigt ein Gutachten der Ludwig-Maximilians-Universität München: An den Angeboten der Erwachsenenbildung nehmen eher Menschen aus bildungsnahen Schichten und mit deutschem Pass teil. Erwerbstätige besuchen häufiger Kurse als Arbeitslose oder Rentner, die Teilnahmewahrscheinlichkeit steigt mit dem Einkommen. Kurz gesagt: Wer über ein gewisses Maß an Bildung verfügt, baut dieses weiter aus. Wer von vornherein Defizite hat, behält diese oft sein Leben lang.

Die SPD will deshalb die Förderung verdoppeln und die Verteilung nicht mehr von den Teilnehmerzahlen abhängig machen. Außerdem soll das Geld an verschiedene Träger fließen, um möglichst alle Gesellschaftsschichten zu erreichen. So soll ein größeres Angebot an politisch-gesellschaftlicher Grundbildung entstehen.

Michael Piazolo von den Freien Wählern bezeichnete die Forderung als "nachvollziehbar". Verhaltener reagierte das Kultusministerium: Für eine entsprechende Reform hätten sich bereits 2015 viele Abgeordnete ausgesprochen, aber erst für die nächste Legislaturperiode.