Kabinettsbeschluss Früher auf die Wirtschaftsschule

Künftig sollen schon Sechstklässler aufgenommen werden

Die Wirtschaftsschulen in Bayern können künftig schon mit der sechsten Klasse beginnen. Zum kommenden Schuljahr soll der Modellversuch um ein Jahr verlängert und erweitert werden, bevor vom Herbst 2020 an alle 77 Schulen die sechste Klasse anbieten dürfen. Der Ministerrat beschloss am Dienstag den Ausbau der Wirtschaftsschule, im Kultusministerium spricht man von einer "Stärkung". Dieser Schritt könnte allerdings auch als Rettungsversuch bezeichnet werden - nur wenige Schüler wechseln nach der Grundschule und zwei, drei Jahren an weiterführenden Schulen auf die Wirtschaftsschule. Laut aktuellem Bildungsbericht sind es in der achten Klasse 2,5 Prozent, während die allermeisten Schüler zu je etwa 30 Prozent Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien besuchen. Die Schülerzahlen an den Wirtschaftsschulen waren in den vergangenen Jahren zurückgegangen, heißt es auch aus dem Ministerium. Derzeit lernen insgesamt 17 625 Mädchen und Buben an Wirtschaftsschulen.

Traditionell nehmen diese Schulen mit ihrem Fokus auf ökonomische Bildung, Betriebswirtschaft und unternehmerisches Denken frühestens Siebtklässler auf. Ähnlich ist es mit den Zweigen an Gymnasien, wo auch erst zum Ende der Unterstufe über die Spezialisierung entschieden wird. Wirtschaftsschüler werden auf den Mittleren Schulabschluss, die Fachoberschule und Berufe in der Verwaltung sowie in Betrieben vorbereitet. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, setzt dementsprechend große Hoffnungen in diese Schulen und ihren "Beitrag zur Fachkräftesicherung". Kultusminister Michael Piazolo (FW) hatte die sechste Klasse schon als Oppositionspolitiker gefordert. Im späten Beginn sah er einen "Wettbewerbsnachteil" der Wirtschaftsschulen und forderte, sie aus dem "toten Winkel der Bildungspolitik" herauszuholen.