Infrastruktur am Berg:Partygipfel Kampenwand

Infrastruktur am Berg: Bald sollen neue Achterkabinen die alten Gondeln der Kampenwandbahn ersetzen. Doch manchen Einheimischen wird der Rummel auf dem Berg zu groß.

Bald sollen neue Achterkabinen die alten Gondeln der Kampenwandbahn ersetzen. Doch manchen Einheimischen wird der Rummel auf dem Berg zu groß.

(Foto: imago)

Hochzeiten und Hüttengaudi: Künftig soll die Seilbahn nach dem Willen der Betreiber auch nachts fahren

Von Matthias Köpf, Aschau im Chiemgau

An guten Ausflugstagen herrscht auf der Kampenwand hoch über dem Chiemsee schon jetzt jede Menge Trubel, doch zumindest nachts kehrt dort bisher immer wieder Ruhe ein. Geht es nach den aktuellen Plänen zum Ausbau der Kampenwandbahn, dann könnte sich auch das in Zukunft ändern. Denn Teil dieser Pläne ist es, die neue Seilbahn an rund 200 Tagen pro Jahr bis tief in die Nacht hinein fahren lassen zu dürfen - teils bis 1.30 Uhr und teilweise sogar bis 3 Uhr früh. Auch dagegen regt sich inzwischen immer mehr Widerstand.

Grundsätzlich hat das Landratsamt Rosenheim den Ausbau der Kampenwandbahn schon 2017 genehmigt. Diese Genehmigung, die statt der bisherigen Vierergondeln neue Achtkabinen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 1200 Fahrgästen pro Stunde vorsieht, steht nach Angaben der Behörde auch nicht mehr in Frage. Allerdings hat die Betreiberfamilie Zbil inzwischen einige bauliche Änderungen an Berg- und Talstation nachgeschoben, weshalb die Pläne noch einmal öffentlich aufs Tapet kamen. Dies hat unter anderem die Grünen im Aschauer Gemeinderat alarmiert. Die neue Bürgerinitiative "Rettet die Kampenwand", die bisher vor allem auf virtuellem Weg protestiert und nach eigenen Angaben "3870 Bürger des Prientals" hinter einer Online-Petition versammelt hatte, ist inzwischen zu einem ersten Präsenztreffen zusammengekommen. Sie kritisiert unter anderem die geplante Verdreifachung der Fahrgastkapazität trotz eines fehlenden Verkehrskonzepts und mangelnder Parkplatzerschließung im Tal. Ferner bemängelt sie das teilweise Roden von Schutzwald für zusätzliche Seilbahnstützen - all dies trotz weltweiter Klimakrise, der jüngsten Starkregenereignisse und zunehmender Klagen über zu viel Tourismus in den Bergen. Daher verlangt die BI, den Genehmigungsbescheid von 2017 zu überprüfen und rechtlich neu zu bewerten.

Zum Genehmigungsverfahren für die baulichen Änderungen haben auch andere Organisationen wie der Bund Naturschutz und der Verein zum Schutz der Bergwelt Stellungnahmen abgegeben. Sie kritisieren ebenfalls die höhere Kapazität der Bahn mit den damit einhergehenden zusätzlichen Gästen auf der ohnehin überlaufenen Kampenwand. Zugleich prangern sie den beabsichtigten Nachtbetrieb an, der noch mehr Feiern, Hochzeitsfeste und sonstige abendliche Events am Berg ermöglichen würde. Auch Beobachter wie der frühere Landtagspräsident Alois Glück (CSU) oder der Landesverein für Heimatpflege sehen diese Entwicklung nach eigenen Angaben mit Sorge. Der Landesverein will daher versuchen, alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Gespräch an einen Tisch zu bringen. Ausdrücklich nichts haben all diese Kritiker dagegen, die Bahn bei der Gelegenheit barrierefrei zu gestalten und so auch Gehbehinderten eine Fahrt auf den Berg zu ermöglichen, was man im Aschauer Rathaus als großes Plus der Pläne ansieht. Dagegen sieht etwa die Bürgerinitiative die Seilbahnförderung des Freistaats kritisch. Ohne diese Förderung würde es die Pläne für die Kampenwandbahn aus ihrer Sicht womöglich gar nicht geben, obwohl dieses Geld doch ausdrücklich für Skigebiete gedacht sei. Der Skibetrieb steht an der Kampenwand aber nicht im Vordergrund, neue Schneekanonen oder dergleichen sind dort nicht Teil der Pläne.

Ganz anders ist dies am Unternberg bei Ruhpolding, wo die "Meine Volksbank Raiffeisenbank" aus Rosenheim erst vor wenigen Tagen das kleine Skigebiet übernommen hat. Sie will dort eine Wasserleitung legen, um irgendwann auch den oberen Teil beschneien zu können. Dagegen haben sich nun der Bund Naturschutz in Traunstein und die grüne Landtagsabgeordnete Gisela Sengl gewandt. Wegen des Klimawandels und des Wasser- und Energieverbrauchs sei dies "völlig aus der Zeit gefallen", sagte die BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski der Chiemgau-Zeitung.

© SZ vom 05.08.2021
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