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Otto I. von Griechenland:Ankunft in einem verwüsteten und rückständigen Land

Otto ist noch keine 18 Jahre alt, als er am 6. Dezember 1832 mit seinem Gefolge in München aufbricht, sich nach ein paar Kilometern - daran erinnert die zwei Jahre später dort aufgestellte Ottosäule - von seinem Vater verabschiedet und nach Brindisi reist, wo die britische Fregatte "Madagascar" wartet. Sie bringt ihn nach Nauplia, seinerzeit Griechenlands Hauptstadt, wo er, wie er seinem Vater schreibt, freundlich empfangen wird: "Eine große Menschenmenge begrüßte mich unter lebhaftesten Gebärden mit einem lauten Jubelrufe und emporgeschwungenen Lorbeerzweigen." Mit sich führt er 3600 bayerische Soldaten sowie einen großen Trupp Berater und Beamte, die in dem verwüsteten und rückständigen Land so etwas wie eine staatliche Ordnung schaffen sollen.

Es zeigt sich rasch, dass dieses Griechenland ganz anders ist als das Hellas in den Hirngespinsten der Philhellenen, die in jedem Schafhirten einen wiedergeborenen Odysseus sahen. Das Land ist ausgezehrt vom blutigen Befreiungskrieg, die landwirtschaftlichen Flächen sind in den Händen weniger Großgrundbesitzer, es gibt kaum Straßen und Brücken, die Clanchefs, unter ihnen Helden der Türkenkriege, verfolgen ihre eigenen Interessen, und im Hintergrund ziehen die Schutzmächte die Fäden.

Otto hat zwar fähige Männer in seinem Tross, doch auch die tun sich schwer, die Griechen von einer Verwaltung nach bayerischem Muster zu überzeugen. "Es ist merkwürdig zu sehen, wie die Germanen sich in diesem Chaos der griechischen Angelegenheiten ans Werk machen, einen ordentlichen Staat zu schaffen", schreibt der russische Admiral Rikord 1834.

Ein Zauderer und selbstherrliche Berater

Dabei ist Otto gewiss guten Willens, als fürsorglicher Landesvater zu erscheinen. Er lernt die Landessprache, trägt griechische Tracht und sucht Kontakt zu Einheimischen. Andererseits weigert er sich, dem Katholizismus Lebewohl zu sagen und der griechisch-orthodoxen Kirche beizutreten. Seine Kinder aber sollen orthodox getauft werden, doch die Ehe mit Prinzessin Amalia von Oldenburg bleibt kinderlos.

Zudem ist er ein Zauderer, der häufig den Einflüsterungen seiner diversen Berater erliegt, die wiederum zerstritten sind. Gleichwohl kann er einige Erfolge verzeichnen: Der Aufbau einer effizienten Verwaltung und Justiz kommt voran, Straßen werden gebaut, Krankenhäuser, Schulen sowie die erste Universität, und das zu einem verlausten Nest heruntergekommene Athen, 1834 von Otto zur Hauptstadt erhoben, erhält durch die Pläne Leo von Klenzes neue städtebauliche Akzente.

Dennoch geraten der Herrscher aus Bayern und besonders seine oft selbstherrlich auftretenden Beamten zunehmend in Misskredit. Das Schmähwort "Bavarokratie" macht die Runde. Den Ruf nach einer Verfassung überhört Otto lange Zeit, erst ein Aufstand zwingt ihn zum Einlenken. Auch die finanziellen Schwierigkeiten häufen sich, zumal die von den Schutzmächten zugesagten Kredite nur zum Teil fließen.

Der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet

König Ludwig I. muss seinem Sohn mit Krediten aus der bayerischen Kasse beispringen, die aber nicht ausreichen, alle Löcher zu stopfen. Ebenso wenig gelingt es Otto, andere von Griechen bewohnte Gebiete dem Mutterland einzugliedern. Der Krimkrieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich scheint dazu die Gelegenheit zu bieten, doch die Engländer zwingen Athen zur Neutralität. Zunehmend verliert der König den Rückhalt in der Bevölkerung. Im Oktober 1862 bricht in Athen ein Aufstand auf, dem Otto nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Am 23. Oktober 1862 flüchten Otto und Amalia auf einem britischen Schiff nach Venedig. Das Paar lässt sich samt Hofstaat - Otto hat keineswegs abgedankt - in der Neuen Residenz in Bamberg nieder. Dort stirbt der gescheiterte König am 26. Juli 1867. Ein Jahr zuvor hatte er noch den Griechen auf Kreta 100 000 Gulden spendiert, um ihren Freiheitskampf gegen die Türken zu unterstützen.

© SZ vom 29.05.2015/bica
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