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Mythen über König Ludwig II:Kini von Mallorca

Samoa, Afghanistan - und Mallorca: Auch hier konnte sich König Ludwig II. vorstellen zu regieren. Vor 128 Jahren ertrank er im Starnberger See. Um das Leben und Wirken des Bayerischen Märchenkönigs ranken sich zahlreiche Mythen, Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Von Tobias Dorfer und Christopher Horn

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König Luwig II.

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Samoa, Afghanistan - und Mallorca: Auch hier konnte sich König Ludwig II. vorstellen zu regieren. Vor 128 Jahren ertrank er im Starnberger See. Um das Leben und Wirken des Bayerischen Märchenkönigs ranken sich zahlreiche Mythen, Gerüchte und Verschwörungstheorien.

1. Ludwig ein Verräter

Auf seine Aufgaben als König war Ludwig nicht ausreichend vorbereitet. Nach gerade einmal zwei Jahren auf dem Thron unterschrieb Ludwig am 11. Mai 1866 einen Mobilmachungsbefehl. Damit kämpfte Bayern im Deutschen Krieg von 1866 an der Seite Österreichs gegen Preußen. Ludwig fuhr in die Schweiz und überließ die Kriegspolitik seinen Ministern. In nur sieben Tagen ging der Krieg verloren. Vier Jahre später unterzeichnete Ludwig den Kaiserbrief. Dort bat er den Preußenkönig Wilhelm I., den Titel eines Deutschen Kaisers anzunehmen. Seine Unterschrift ließ sich Ludwig mit rund vier Millionen Mark teuer bezahlen. Die Eigenständigkeit Bayerns und des Hauses Wittelsbach war damit allerdings vorbei. Kritiker sahen darin ein hohes Maß an politischem Versagen. Forscher sind heute der Ansicht, dass Ludwig damals kaum eine andere Wahl hatte als den Kaiserbrief zu unterzeichnen.

König Ludwig von Bayern

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2. Ludwig war homosexuell

Ein König der Männer liebt? Für viele Ludwig-Fans ist das undenkbar. Und dennoch hält sich dieses Gerücht hartnäckig. In einem 2001 erschienen Buch hat der Handschriftensammler Robert Holzschuh Briefe veröffentlicht, die der Kini geschrieben haben soll und in denen er sich teilweise detailliert über die Genitalien seiner Liebhaber äußert. Ludwigs Schönheitsideal waren eindeutig Männer, sagt auch Volkskundler Wolfgang Till, ehemaliger Chef des Münchner Stadtmuseums. Allerdings kennt er keinen konkreten Beleg für praktizierte Homosexualität (Foto: Tovey als Märchenkönig im Ludwig-Musical.)

Königstreue gedenken Todestag von Ludwig II.

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3. Ludwig wurde umgebracht

Um den Tod des Kini ranken sich viele Gerüchte. Klar ist nur, dass Ludwig am Abend des 13. Juni 1886 mit seinem Arzt Bernhard von Gudden zu einem Spaziergang aufbrach. Wenige Tage zuvor hatte die Regierung den König entmündigen lassen - einem Gutachten zufolge war er "seelengestört". Am Abend wurden Ludwig und sein Arzt tot im Würmsee, dem heutigen Starnberger See, gefunden. Den offiziellen Berichten zufolge ist der Märchenkönig ertrunken. Der Doktor wollte Ludwig demnach vom Selbstmord abhalten und kam dabei selbst zu Tode.

Es gibt aber auch andere Sichtweisen: Wollte Ludwig fliehen? Oder wurde er gar von einem bayerischen Gendarmen erschossen, wie der Berliner Hobbyforscher Peter Glowasz schreibt? Die Guglmänner, ein Geheimbund, mutmaßen, der König wurde vom preußischen Geheimdienst ermordet - und fordern daher wiederholt, dass der Sarg geöffnet wird, um den Tod endgültig aufzuklären.

Schloss Neuschwanstein

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4. Ludwig der Maßlose

1883 war König Ludwig hoch verschuldet. Teure Bauprojekte wie das Schloss Neuschwanstein belasteten die Kasse des Königs. 1885 hatte Ludwig Verbindlichkeiten in Höhe von sieben Millionen Mark angesammelt. Er versuchte daher immer neue Geldquellen zu erschließen und wandte sich an den Bayerischen Landtag. Dort erklärte man sich bereit, die Schulden des Königs durch eine Anleihe aus Staatsmitteln zu begleichen. In dem Augenblick aber fürchteten die Minister, die finanzielle Misere des Königs könnte die eigene Machtbasis des Staates gefährden und leiteten die Entmündigung Ludwigs ein.

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5. Ludwig sollte eigentlich Otto heißen

Glaubt man Volkskundler Till, bekam Ludwig zunächst den Namen Otto. Doch dann wünschte sich der alte König bei der Taufe für seinen Enkel den Namen Ludwig - und der Wunsch wurde erfüllt. Otto hieß dann der Zweitgeborene und kleine Bruder des Märchenkönigs, der drei Jahre später geboren wurde.

Königstreue gedenken Todestag von Ludwig II.

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Mythen über König Ludwig II:1SCHMUCK-C_WEB

6. Ludwig wurde vom Volk verehrt

Zu Beginn seiner Amtszeit wurde Ludwig von seinen Untertanen verehrt. Man war begeistert vom neuen König. Er war jung, gut aussehend und mit 1.90 Metern deutlich größer als die meisten seiner Zeitgenossen. Doch dieses Bild wandelte sich im Laufe der Jahre. Aus dem schönen Jüngling wurde ein dicker König mit schlechten Zähnen und einer blassen Haut. Ludwig wurde zum Gespött. Unter dem Decknamen "Herr Huber" machten sich die Untertanen über ihn lustig, lachten über seinen weit ausladenden Schritt und sein Auftreten. Die Münchner nahmen es Ludwig übel, dass er sich lieber in seinen ländlichen Schlössern als in der Münchner Residenz aufhielt.

Erst mit Ludwigs tragischem Tod wandelte sich das öffentliche Bild. Mitleid und Trauer überwogen. Postkarten mit dem Motiv des schönen Märchenkönigs wurden verbreitet.

Bayreuth-Tagebuch gefunden

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7. Ludwig schwärmte für Richard Wagner

Ludwig war ein großer Verehrer der Musik Richard Wagners und dem Musiker in einer fast schon schwärmerischen Art und Weise verbunden - so dass den beiden sogar eine homoerotische Verbindung nachgesagt wurde. Doch auch Wagner profitierte von der Verbindung. Als der König auf den Komponisten aufmerksam wurde, war dieser hochverschuldet und verarmt. Sein neuer Mäzen holte Wagner nach München, damit der Komponist seine opulenten Opern - besonders den Ring der Nibelungen - inszenieren und ein sorgenfreies Leben führen konnte. Sogar ein Festspielhaus wollte der Märchenkönig seinem Lieblingskomponisten in München errichten. Als das nicht klappte, fand sich in Bayreuth ein Ersatzstandort. Finanzieller Unterstützer des Projekts war, natürlich, König Ludwig.

Tui zuversichtlich - Reiselust der Deutschen ist groß

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8. Ludwig wollte "König von Mallorca" werden

Mit dem Kaiserbrief von 1870 hatte König Ludwig einen großen Teil der Souveränität Bayerns an Preußen abgegeben. Doch während sich sein Volk nun gegen alles Preußische sperrte (etwa gegen die Umstellung der Maße und Gewichte), sorgte sich Ludwig selbst weniger um die gefährdete bayerische Identität, sondern um seinen eigenen Machtverlust. Aus diesem Grund schickte er den Völkerkundler Franz von Löher auf Weltreise - er sollte nach Territorien suchen, in denen sich notfalls eine autonome Herrschaft einrichten ließe. Mögliche Kandidaten: Samoa, Afghanistan - und Mallorca.

König Ludwig von Bayern

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9. Ludwig hatte einen deftigen Humor

Der so feinsinnige Märchenkönig soll einen ziemlich deftigen Humor gehabt haben. In seiner Biographie beschreibt Volkskundler Till, wie Ludwig seinen Dienern das "Siegel der Dummheit" auf die Stirn drückte oder sich minutenlang hinter einer Palme oder einem Paravent versteckte, und so seine Besucher und Gäste an der Nase herumführte.

König Ludwig von Bayern

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10. Ludwig war ein Nachtmensch

Frühstück am Abend, Dinner in der Nacht - und dann ging Ludwig gegen acht Uhr morgens ins Bett: Wenn das Volk arbeitete, schlief der Monarch. In den späten Stunden dagegen war der Märchenkönig fit, was ihm auch den Beinamen "Mondkönig" einbrachte. Für seine Köche führte dieser Lebenswandel zu regelmäßigen Nachtschichten.

König Ludwig von Bayern

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11. Ludwig war verrückt

Unbestritten war Ludwig seinerzeit ein bunter Vogel, möglicherweise ein Narziss, auch an sozialen Phobien soll der König gelitten haben. Bekannt war auch sein unangepasster Lebensstil. Das Gutachten der Ärzte Bernhard von Gudden, Friedrich Wilhelm Hagen, Hubert von Grashey sowie Max Hubrich vom 8. Juni 1886 wird sehr deutlich: Ludwig sei "seelengestört" und "unheilbar". Allerdings hatten die Mediziner den Monarchen nicht persönlich untersucht, sondern stützen ihre Studie auf Zeugenaussagen. Volkskundler Wolfgang Till zitiert in seiner Biographie Mediziner, die dem Kini zwar schizoide Züge attestierten. "Aber sie hätten ihn sicherlich nicht in einer Zwangsjacke nach Haar geschickt." Die Regierung entmündigte Ludwig im Jahr 1886 dennoch. Noch im selben Jahr starb er.

Kaiserin Sisi wird 175

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12. Ludwig hatte eine Affäre mit Sisi

Er der Märchenkönig aus Bayern, sie die schöne Kaiserin aus Wien: Zwei Adlige, beide gefangen in ihren Neurosen und einem goldenen Käfig - was würde da besser passen als eine romantische Liebesgeschichte? Das Gerücht, Ludwig und Sisi hätten eine Affäre gehabt, speist sich vor allem aus einer Szene in Luchino Viscontis Film Ludwig, in der sich Ludwig (Helmut Berger) und Sisi (Romy Schneider) küssen. Aber die Kamera schweift schnell ab. Nicht ohne Grund offenbar: Denn auch wenn beide eine tiefe Verbundenheit - wenn nicht sogar Seelenverwandschaft - verband, blieb die Zuneigung platonisch. Und immerhin war Ludwig ja für eine gewisse Zeit mit Sisis jüngerer Schwester Sophie verlobt ...

kamera

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13. Ludwig hat das Bewerbungsfoto erfunden

Technisch war der Märchenkönig immer auf dem neuesten Stand. Seine Leidenschaft fürs Bauen macht dies ebenso deutlich wie seine Pläne, mit einem Pfauenwagen über den Alpsee zu fliegen - ein Vorhaben, das allerdings an der technischen Umsetzbarkeit scheiterte. Ein Faible hatte der Märchenkönig auch für die Fotografie. So wählte Ludwig seine Angestellten teilweise nach optischen Gesichtspunkten aus, erklärt Volkskundler Till - und sagt: "Er hat sozusagen das Bewerbungsfoto erfunden."

© Süddeutsche.de/bica
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