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Heilmittelberufe:Streit um Gesundheitsbonus

Staatsregierung soll deutlich mehr Geld für Ausbildung zahlen

In Bayern mangelt es an Physiotherapeuten. Auch in den anderen Heilmittelberufen - dazu zählen etwa die Ergotherapeuten und Logopäden - fehlt es an Nachwuchskräften. Mit ein Grund dafür sind die hohen Ausbildungskosten. Die Staatsregierung will folglich den privaten Berufsfachschulen über die bisherigen staatlichen Fördermittel hinaus einen "Gesundheitsbonus" zahlen, damit die "von ihren Schülern kein Schulgeld mehr verlangen". So kündigte es kürzlich Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) an. Bei der Umsetzung dieses Plans hapert es jedoch gewaltig. Trotz bereits zweier Treffen am runden Tisch sind sich die Vertreter des Kultusministeriums und der Schulträger immer noch uneinig über die Höhe der Bonus-Zahlungen.

Stattdessen ist jetzt die Verärgerung groß. "Der durch die Vertreter des Ministeriums angebotene monatliche Betrag liegt weit unter dem monatlichen Schulgeld", hieß es seitens der privaten Schulträger, allen voran das Deutsche Erwachsenen-Bildungswerk (DEB). Es sei "völlig unerklärlich, wie ein solches Angebot überhaupt zustande kommen konnte". Unerklärlich auch deshalb, weil die Schulträger vorab die Höhe des aktuellen Schulgeldes je nach Fachrichtung benannt und damit eine Richtgröße für den Bonus geliefert hätten. Das Kultusministerium, darin sind sich die Schulträger einig, müsse noch einmal gründlich drauflegen. Geschehe das nicht, so habe das Folgen: Es werde "in Bayern flächendeckend zu Schulschließungen kommen", warnt das DEB.

Das Ministerium indes pokert: "Das Abstimmungsergebnis mit den Trägern bleibt abzuwarten." Ob ein privater Schulträger den Bonus nun annehme oder nicht, bleibe seiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation überlassen. "Er ist als Marktteilnehmer in seiner Entscheidung frei", hieß es. Wie das Ministerium zudem mitteilte, sind für den Gesundheitsbonus bereits Mittel im Doppelhaushalt 2019/2020 eingestellt. Über den habe aber noch der Landtag zu entscheiden. Gebe der seine Zustimmung, werde der in Aussicht gestellte Bonus rückwirkend zum Halbjahr des laufenden Schuljahres ausgezahlt. Aus derzeitiger Sicht der Schulträger hätte der Gesundheitsbonus bereits bis zum 15. Februar umgesetzt sein müssen, damit Schulgeldzahlungen in Heilmittelberufen endlich der Vergangenheit angehören.

Auch bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie bei deren Angehörigen wächst daher - wie aus einer Zuschrift an die SZ hervorgeht - die Sorge, die Staatsregierung verfolge ihr im Koalitionsvertrag vereinbartes Ziel der Schulgeldfreiheit nicht mit dem nötigen Elan. Rückendeckung erhielten die Berufsfachschüler am Donnerstag von den Landtags-Grünen: Das Versprechen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), bei den Heilberufen das Schulgeld abzuschaffen, sei nicht mehr als ein Versprecher - sprich "ein Schlag ins Gesicht" für alle angehenden Therapeutinnen und Therapeuten, "die auf Söders Kostenfreiheitsversprechen gehofft hatten". Was nun den Berufsfachschulen als Ausgleichsbetrag angeboten werde, decke "nur zehn bis maximal 20 Prozent der Ausbildungskosten von bis zu 25 000 Euro ab".

Klar ist: Angesichts hoher Ausbildungskosten entscheiden sich aktuell viele junge Menschen gegen den Einstieg in einen der Heilmittelberufe, zumal die Verdienstmöglichkeiten dort eher gering sind. Der Berufsverband Physio-Deutschland drängt deshalb darauf, bezüglich Gesundheitsbonus bald zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Ein Scheitern sei angesichts des extremen Fachkräftemangels "in jeder Hinsicht fatal".