Gesundheitspolitik Mehr Einsatz für die Krebsforschung

Eine neue hochschulübergreifende Einrichtung soll Tumordiagnose und -therapie verbessern. In das Projekt wird ein zweistelliger Millionenbetrag investiert

Von Dietrich Mittler

Dem Aufbau eines bayerischen Zentrums zur Krebsforschung steht nun nichts mehr im Weg. Am Dienstag bewilligte der Ministerrat in München einhellig das von Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) vorgetragene Konzept für eine hochschulübergreifende Einrichtung, durch die nicht nur die Krebsprävention, sondern auch die Diagnose und Therapie weiter verbessert werden sollen. "Damit wird in Bayern die Krebsforschung und Tumorbehandlung auf ein internationales Niveau gehoben", sagte Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) nach der Kabinettssitzung.

Konkret heißt das: Die Forschungsgruppen an den sechs bayerischen Universitätskliniken und den medizinischen Fakultäten sollen ihre Kräfte interdisziplinär bündeln, sich vernetzten und so standortübergreifend gemeinsame Strukturen - auch bezüglich der EDV - nutzen können. Patienten wiederum eröffne das die Möglichkeit, an frühen klinischen Studien teilnehmen und dabei von neuen Therapieoptionen profitieren zu können. "Hier werden viele forscherische PS auf die Straße gesetzt", sagte Florian Herrmann. Die Geschäftsstelle für das neue Zentrum soll in Erlangen angesiedelt werden. Über die Kosten des Projektes, das voraussichtlich 2025 in den Vollbetrieb gehen soll, gibt es bislang aber noch keine genauen Angaben. "Insgesamt sprechen wir da schon von einem zweistelligen Millionenbetrag, der eingesetzt wird", sagte Herrmann.

Fest steht indes schon die Aufgabenverteilung. Herrmann sprach hier von "Leuchtturmstrukturen mit internationaler Strahlkraft". Heißt: Die Forscher in Erlangen sollen sich zum Beispiel um die Herstellung von Immun-Therapeutika kümmern, jene der TU München um die genetische Analyse des Tumors zur zielgerichteten Auswahl von Patienten für eine personalisierte Therapie, die Regensburger wiederum sollen im Behandlungsverlauf Profile erstellen, um zu erkennen, welche Patienten von einer Immuntherapie profitieren können. Hinter den genannten Beispielen steckt die Idee, Tumorerkrankungen mit dem körpereigenen Immunsystem zu bekämpfen. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) betonte, dass das neue Zentrum selbstredend auch mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in Austausch treten werde.

Humls Frohbotschaft in eigener Sache lautet indes: "Der Freistaat investiert kräftig in bayerische Krankenhäuser." Die Staatsregierung halte die Krankenhausförderung - sprich die Mittel für den Bau und die Sanierung von Krankenhäusern - von 2020 bis 2023 auf Rekordniveau. "Der jährliche Krankenhaus-Förderetat von derzeit rund 643 Millionen Euro wird fortgeführt", sagte die Ministerin im Anschluss an die Kabinettssitzung. Diese Entscheidung sei der "Startschuss für 17 neue Krankenhaus-Bauvorhaben", und für die investiere der Freistaat in den nächsten Jahren rund 442 Millionen Euro.

"Wir wollen auch in der Fläche leistungsfähige Krankenhäuser", sagte Huml. Zu den herausragenden Projekten - zu denen freilich auch die Kommunen ihren Finanzierungsbeitrag leisten - zählen etwa die Klinik Harlaching in München mit einer Fördersumme von 157,2 Millionen Euro, das Krankenhaus Rummelsberg Schwarzenbruck (63, 5 Millionen Euro) und das Bezirksklinikum Obermain in Ebensfeld (rund 59 Millionen Euro). Bayern, so betonte die Ministerin liege hier mit Investitionen in Höhe von 49 Euro pro Einwohner "deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer" (35 Euro pro Einwohner). Ministerpräsident Markus Söder (CSU), bei der Pressekonferenz nicht anwesend, ließ es sich nicht nehmen, das zumindest mit einer schriftlichen Erklärung zu kommentieren. "Gesundheit ist unser höchstes Gut, und daher geben wir viel Geld dafür aus."

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) sieht das allerdings weniger euphorisch: Verglichen mit der Förderung in den Jahren zuvor registriere man zwar eine "deutliche Aufstockung", sagte BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein. Aber: Die Förderung sei auch jetzt noch zu gering. "Wir bräuchten eigentlich Fördermittel in einer Größenordnung jenseits der 700 Millionen Euro", sagte er. Anstehende Bau- und Sanierungsprojekte - Größenordnung um die 130 Millionen Euro - könnten nun nicht berücksichtigt werden. Darunter zu leiden habe etwa das Klinikum Passau, in dem weitere Sanierungsarbeiten anstehen.