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Gesundheit:Immer mehr Kliniken machen Verlust

Bayerns Krankenhäuser stehen vor einer ungewissen Zukunft. In einer aktuellen Befragung der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) gaben 62 Prozent der Klinikchefs an, dass ihr Haus in diesem Jahr voraussichtlich ein Defizit erwirtschaften wird. Im vergangenen Jahr sind 54 Prozent der bayerischen Krankenhäuser defizitär gewesen, wie aus dem neuen bayerischen Krankenhaustrend hervorgeht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Nur 18 Prozent der Häuser erwirtschafteten demnach 2019 noch einen Gewinn.

Innerhalb von zehn Jahren haben sich damit die Verhältnisse nahezu umgekehrt. 2010 waren nur 19 Prozent der Kliniken im Freistaat defizitär und 75 Prozent wiesen Gewinne auf. Die Ursache für diese Entwicklung sieht BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein im Bestreben der Gesundheitspolitik in Berlin, "einen kalten Strukturwandel" herbeizuführen. Der Plan sei, durch permanente, immer höhere Vorgaben die Kliniken wirtschaftlich so unter Druck zu setzen, dass einzelne Häuser - insbesondere die kleinen auf dem Land - aufgeben oder zumindest einzelne Leistungsbereiche abbauen.

"Wir erleben hier eine verantwortungslose Strukturbereinigung durch die Hintertür", sagte Hasenbein. Wesentliche Fragen - etwa die, welche Häuser dringend gebraucht werden - würden bei dieser Strategie völlig außer Acht gelassen. "Das geht nach dem Zufallsprinzip, völlig planlos", sagte Hasenbein. Die Diskussion darüber, ob man auch in Bayern mit weniger Krankenhäusern auskomme, sei ja durchaus legitim, betonte er. Doch um bei dieser Diskussion zu den richtigen Schlüssen zu kommen, brauche es "eine sachlich und fachlich transparente Strukturdiskussion". Hierbei gelte es, neben der Versorgungssituation unter anderem auch die regionale Verkehrsstruktur und die Bevölkerungsentwicklung mit einzubeziehen.

© SZ vom 22.02.2020
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