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Geflügel-Skandal in Bayern:Weiterer Putenmastbetrieb angezeigt

Massentierhaltung

Puten in einem Mastbetrieb.

(Foto: A. Farkas/afi)

In einer Anzeige suchte ein schwäbischer Putenmastbetrieb Aushilfskräfte zum "Aussortieren kranker und Tiere und ihrer Tötung". Die Soko Tierschutz schleuste eine Unterstützerin ein und zeigte den Betrieb zusammen mit dem Landratsamt Dillingen an.

Von Christian Sebald

Die Soko Tierschutz und das Landratsamt Dillingen haben nun auch einen Putenmastbetrieb in der Gemeinde Bachhagel im Nordwesten des schwäbischen Landkreises angezeigt. Der Vorwurf lautet auf tierschutzwidriges Töten von Puten. "Wir haben auch in diesem Mastbetrieb dokumentiert, dass kranke und verletzte Puten mit einem Knüppel und einer Zange erschlagen werden. Diese Zangen werden normalerweise zur Kastration von Pferden und Rindern verwendet", sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz. "Das steht in krassem Widerspruch zum Gesetz."

Kranke oder verletzte Tiere, die schwerer als fünf Kilogramm sind, dürfen nur mit einem Bolzenschussgerät oder durch Kehlschnitt getötet werden. Mit 40 000 Mastplätzen ist der angezeigte Betrieb laut Mülln der zweite große Mäster im Kreis Dillingen. Der andere Betrieb aus Ziertheim, in dem ebenfalls Puten mit Prügel und Zange erschlagen wurden und wo der Skandal vergangene Woche seinen Lauf nahm, zählt 60 000 Mastplätze.

Die Soko Tierschutz war auf den Mäster in Bachhagel durch ein Zeitungsinserat gestoßen. "Darin wurden Aushilfskräfte gesucht", sagt Müll. "Ihre Aufgabe: Das Aussortieren kranker Tiere und ihre Tötung." Mit Hilfe der Annonce schleuste die Soko Tierschutz eine Unterstützerin in den Betrieb ein. So sei es gelungen, die illegalen Tötungen zu dokumentieren, obwohl die Bäuerin extrem misstrauisch gewesen sei. "Sie hat unsere Helferin mehrfach gefragt, ob sie von einer Tierschutzorganisation sei und hat ihr eher ungern gezeigt, wie sie auf dem Betrieb Puten töten", berichtet Mülln.

"Die Mästerin war sich offenkundig bewusst, dass sie damit gegen das Gesetz verstoßen. Sie hat unserer Helferin gesagt, dass sie eigentlich ein Bolzenschussgerät dafür hätten, aber es dennoch anders machten." Für Mülln beweisen die Aufnahmen, dass in Massentierhaltungen "massiven Verstöße gegen den Tierschutz an der Tagesordnung sind".

Unterdessen haben das Landratsamt Dillingen und eine Spezialeinheit des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Vorwürfe der Tierschützer überprüft. Bei einer unangemeldeten Kontrolle des Ziertheimer Betriebs am Donnerstag habe man nur kleinere Mängel festgestellt, die sofort behoben worden seien, heißt es in einer Erklärung der Kreisbehörde. Gleichwohl habe man die Anzeige aufrecht erhalten. Auch nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Bachhageler Betrieb habe man diesen sofort kontrolliert und angezeigt. Die Soko Tierschutz hat derweil an Infoständen in der Region ihre Aufnahmen aus den Betrieben gezeigt. "Wir wollten den Leuten beweisen, dass sie echt sind", sagt Mülln. "Transparenz ist unser oberstes Gebot."

© SZ vom 20.05.2014/ahem/tba

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