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Gäubodenfest:Sanka mit Charme

Volksfesttauglich: Der bunt angemalte Rettungswagen ist von innen ein ganz normaler Sanka.

(Foto: Rettungstechnik Klein)
  • Der Dienst, den ehrenamtliche Retter bei Volksfesten verrichten, wird selten gewürdigt.
  • Der "Bayernretter", ein Sanka mit schicker Verzierung, soll auf die Arbeit der Ehrenamtlichen aufmerksam machen.
  • Er kommt am Wochenende beim Gäubodenfest zum Einsatz.

Bayerische Volksfeste sind beliebter denn je, Bierzelte und High-Tech-Fahrgeschäfte locken nicht nur auf dem Oktoberfest viele Millionen Gäste an. Unfälle, Verletzungen und Ausfälle durch ochsenmäßigen Bierkonsum sind bei solchen Massenaufläufen unvermeidlich. Für die ehrenamtlichen Retter verheißt der gängige Volksfest-Refrain "Oans zwoa gsuffa!" aber alles andere als ein Vergnügen. Blutende, ohnmächtige und rauschige Festgäste müssen mitten im Trubel oft im Minutentakt versorgt und behandelt werden. Ein Dienst, der viel zu selten gewürdigt wird.

Beim Gäubodenvolksfest in Straubing, das an diesem Wochenende beginnt, wird zumindest ein Rettungsfahrzeug optisch herausstechen. Der Sanka ist außen verziert mit Bayernrauten, Lebkuchenherz und einer Breze, außerdem sind alle Regierungsbezirke abgebildet, es ist ein bayerisches Volksfestfahrzeug par excellence. "Der Sanka kommt speziell auf Volksfesten zum Einsatz", bestätigt Matthias Klein-Liebl, der Geschäftsführer der Firma Rettungstechnik Klein, der das Fahrzeug gehört.

Ein beliebtes Fotomotiv

Innen ist dieser "Bayernretter" wie jeder andere Rettungswagen im Freistaat ausgestattet. Allerdings wird er jedes Jahr neu beklebt, wodurch er bei den Volksfestumzügen zu einem beliebten Fotomotiv geworden ist. Klein-Liebl sagt, seine Firma wolle damit auf das große ehrenamtliche Engagement der Rettungsdienstmitarbeiter aufmerksam machen: Allein 130 000 Freiwillige arbeiten zum Beispiel ehrenamtlich für das Bayerische Rote Kreuz.

Das Fahrzeug wird allerdings nicht im Regelrettungsdienst eingesetzt, sondern lediglich für Sanitätsdienste auf Festen. Die Firma Klein stellt es jedes Jahr kostenlos zur Verfügung. In einer Stadt wie Straubing mit 40 000 Einwohnern reicht die übliche Rettungsfahrzeugdichte bei einem Ansturm von einer Million Festgästen nicht aus. Der Fuhrpark muss dann aufgestockt werden. Der Rauten-Sanka ist jedoch ein Unikum. In diesem Jahr wird er außer beim Gäubodenvolksfest noch auf der Landshuter Dult, beim Erdinger Herbstfest und beim Oktoberfest im Einsatz sein.

Deeskalierende Wirkung der Optik

Klein-Liebl ist überzeugt, dass die Optik des Wagens auf aufgewühlte Volksfestbesucher eine deeskalierende Wirkung ausstrahlt. Gerade alkoholisierte Menschen neigen häufig zu Gewaltaktionen. Voriges Jahr konnten sie sich vom Engel Aloisius besänftigen lassen, vor zwei Jahren war auf dem Sanka eine Tür mit einem großen Herzerl abgebildet, hinter dem sich eine schöne bayerische Landschaft öffnete. Eine Boulevardzeitung ließ sich dadurch zu folgender Schlagzeile inspirieren: "Echt herzig! Diese Klotür fährt mit Blaulicht!"

Der Rettungswagen-Verleiher Klein-Liebl gibt aber zu, dass die Spaß-Optik auch Kritik herausfordert. "Das ist eine Zumutung für die Patienten, die letztendlich drinnen liegen müssen", merkte ein Kritiker auf der Facebookseite der Firma an. Ein anderer postete: "Also da hört bei mir der Spaß echt auf. Es ist ein Rettungsmittel und keine Kinderbelustigung noch sonst was!" "Manche haben uns sogar unterstellt, dass wir uns damit über dass Ehrenamt lustig machen, aber das Gegenteil ist der Fall", sagt Klein-Liebl. Solange der Retter nur im Sanitätsdienst eingesetzt ist und keine Transporte in Kliniken übernimmt, sei diese Optik völlig in Ordnung.

Der Musiker Hans-Jürgen Buchner (Haindling) ist jedenfalls wie viele andere von der Aktion sehr angetan. Bei der Vorstellung des Rettungswagens in Bogen war er ebenso anwesend wie BRK-Präsident Theo Zellner. Buchner sagte: "Wir können froh sein, dass es auf den Volksfesten noch solche Ehrenamtler gibt."

© SZ vom 06.08.2015/vewo

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