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Fürth:Komödiant fühlt sich "verarscht"

Heißmann kritisiert CSU-Treffen mit knapp 100 Personen deftig

Von Olaf Przybilla, Fürth

Nach einer Kreishauptversammlung sieht sich die Fürther CSU heftiger Kritik ausgesetzt. Die Partei hatte am Samstag in einer Präsenzveranstaltung ihre Delegierten gewählt, die für die Kandidatenliste verantwortlich sind. Knapp 100 Parteimitglieder versammelten sich dazu in der Fürther Stadthalle. Auf Facebook hat dies der Fürther Komödiant Volker Heißmann - Teil des Duos "Waltraud und Mariechen" und Theaterdirektor der Fürther Comödie - mit deftigen Worten kommentiert: "Da komm ich mir wirklich mehr als verarscht vor", schrieb Heißmann. Die CSU dürfe mit 100 Personen eine Veranstaltung in der Stadthalle durchführen. "Und wir Theaterleute dürfen seit Monaten unseren Beruf nicht ausüben!" Was eine Partei dürfe, müsse auch die Kultur dürfen: "Jetzt ist Schluss mit lustig!" Der Post des Komödianten wurde hundertfach geteilt und kommentiert, überwiegend zustimmend.

Der neue Fürther CSU-Kreisvorsitzende Thomas Winning zeigt sich zerknirscht. In der CSU gebe es "viele Fans von Volker Heißmann", dessen Kritik nehme sich die Partei schon deshalb sehr zu Herzen. Aus seiner Sicht habe es aber nur diese Möglichkeit gegeben. Laut Nachfrage bei der CSU-Landesleitung hätten die Delegierten innerhalb einer Präsenzwahl bestimmt werden müssen, um die Aufstellung "rechtssicher" zu machen. Auch die CSU-Mitglieder, die in die Stadthalle gebeten wurden, seien alles andere als glücklich darüber gewesen. Sie wurden mit jeweils zwei Meter Abstand platziert, mussten sich Temperaturkontrollen unterziehen, hatten während der Versammlung Maske zu tragen und durften weder Speisen noch Getränke bestellen. "Das macht keinen Spaß", die Mitglieder hätten sich vielmehr dazu verpflichtet gefühlt. Trotzdem habe er als Kreischef "großes Verständnis, wenn man dafür kein Verständnis hat". Er selbst stamme aus der Kulturszene, sagt Winning, er wisse, wie groß die Probleme dort sind. Für die Kreishauptversammlung habe es trotzdem keine digitale Alternative gegeben. Nach dem Wochenende wolle er persönlich Kontakt zu Heißmann aufnehmen, jenseits von Facebook.

© SZ vom 22.03.2021
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