Für das neue Jahr:Huml kündigt Demenzpakt an

Die Ministerin will Kranken mehr Teilhabe ermöglichen, die Opposition spricht hingegen von Symbolpolitik

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will 2020 einen bayerischen Demenzpakt gründen, damit Betroffene mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. "Dafür muss der Bewusstseinswandel im Umgang mit dieser Krankheit weiter vorangebracht werden", sagte Huml. Die Opposition fordert hingegen konkrete Maßnahmen wie alternative Wohnformen und weniger Bürokratie.

Huml zufolge soll mit dem Pakt das Thema Demenz auf eine noch breitere Basis gestellt werden, um die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu verbessern. Alle Staatsministerien sowie Vertreter von Kommunen, Kirchen, Zivilgesellschaft, Wohlfahrts- und Betroffenenverbänden würden eingeladen, dem Pakt beizutreten. In Bayern leben mehr als 240 000 Demenzkranke. Die Zahl wird bis 2030 auf 300 000 ansteigen. Der Demenzpakt ist eine von vielen Aktionen des Ministeriums, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen: Die Staatsregierung beschloss 2013 eine bayerische Demenzstrategie. Im September soll bei der zweiten bayerischen Demenzwoche über Betreuungs- und Hilfsangebote informiert werden. Im Oktober wird zudem der vierte bayerische Demenzpreis verliehen, der Projekte für Menschen mit Demenz ehrt. Zudem gibt es eine Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern in Nürnberg, die Zweigstellen in allen Regierungsbezirken bekommen soll.

Aus Sicht der Opposition ist der Demenzpakt vor allem Symbolpolitik. Der Grünen-Politiker Andreas Krahl sagte: "Wir wissen ja schon, welche Welle da auf uns zurollt. Die Zahlen sprechen für sich." Ziel müsse sein, konkrete Strategien zu suchen und umzusetzen. "Am Umsetzen scheitert es meist in Bayern." Dominik Spitzer von der FDP erklärte: "Ministerpräsident (Markus) Söder forderte kürzlich ein Modernisierung-Gesetz für schnellere Investitionen. Einen ähnlichen Elan würde ich mir auch beim Thema Pflege und Demenz wünschen." Krahl und Spitzer forderten Demenzdörfer, in denen Bewohner in Hausgemeinschaften in einer nach außen abgeschlossenen Siedlung leben. Die SPD-Abgeordnete Ruth Waldmann teilte mit: "Niemandem ist geholfen, wenn man jetzt jedes Gespräch mit den Fachleuten zum Gipfel oder Pakt erklärt. " Hingegen begrüßte Sonja Womser vom bayerischen Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft den Pakt. Sie sagte: "Je mehr das Thema Demenz in die Gesellschaft gebracht wird, desto besser."

© SZ vom 27.12.2019 / dpa
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