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Führungschaos an der Uni Eichstätt:Kabale und Hiebe

Uni Eichstätt kommt nicht zur Ruhe

Auch die Studenten von der Uni Eichstätt sind so langsam genervt vom Führungschaos.

(Foto: dpa)

Keine Einmischung mehr: Das war die Devise von Kardinal Reinhard Marx bei der Suche nach einem neuen Präsidenten für die Katholische Uni Eichstätt. Doch jetzt hat die Demokratie an der Hochschule versagt - und jeder beschuldigt jeden.

Der Versuch, auf die Schnelle einen Präsidenten für die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt zu finden, ist gescheitert, jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Doch hinter den Kulissen werden Schuldige gesucht, und Generalvikar Peter Beer als Vertreter des Großkanzlers Kardinal Reinhard Marx denkt über "strukturelle Konsequenzen" nach.

Dabei hatte Marx doch die Devise ausgegeben: Keine Einmischung mehr in die internen Angelegenheiten der Universität. Er wollte den Eindruck vermeiden, die Bischöfe würden in Eichstätt durchregieren, wie das früher vor allem unter Bischof Mixa der Fall war. Auch der Eichstätter Bischof Hanke hatte sich unbeliebt gemacht, als er einen vom Senat berufenen Bewerber fürs Präsidentenamt ablehnte, weil der wiederverheiratet war. Marx ist weltoffen genug, um zu wissen, dass auch eine katholische Hochschule nach demokratischen Prinzipien funktionieren muss.

Doch nun hat auch die Demokratie an der KU versagt. Der überraschende Rücktritt von Pater Richard Schenk im Februar sei nicht nur aus gesundheitlichen Gründen erfolgt, wird nun kolportiert. Schenk, ein Ordensmann und Feingeist, sei der Führungsaufgabe nicht gewachsen und nicht konfliktfähig gewesen. Daher habe er keine Unterstützung mehr vom Hochschulrat erhalten und schließlich resigniert.

Zu viele Klüngel

Rückblickend werfen sich alle Beteiligten - Senat, Hochschulrat und Stiftungsrat - mangelnde Information vor. "Es gibt zu viele Klüngel an dieser Uni, die nur ihre eigenen Interessen vertreten", sagt Studentenvertreter Philipp Abel frustriert. Darunter leide die ganze Hochschule. Seit Schenks Rücktritt habe es nicht mal mehr eine gemeinsam Sitzung mit Senat und Hochschulrat gegeben.

Einige Mitglieder des Senats, zuständig für die Selbstorganisation der Uni und im Besitz des Vorschlagsrechts fürs Präsidentenamt, fühlen sich vom Hochschulratsvorsitzenden hintergangen, weil der angeblich nur seine eigenen Favoriten ins Spiel bringen wollte. Interne Bewerbungen habe der Hochschulrat, der so etwas wie der Aufsichtsrat in der Wirtschaft ist und nicht nur den Präsidenten wählt, sondern auch weit reichende strategische Macht hat, kategorisch abgelehnt.

Dessen Vorsitzender, der Münchner Philosophieprofessor Wilhelm Vossenkuhl, bekannt aus der Fernsehreihe "Denker des Abendlandes" auf BR alpha, ist federführend beim aktuellen Fakultätenumbau der KU. Er sah die Chancen, dieses "Meisterwerk" durchzusetzen, ohne einen führungsstarken Präsidenten dahinschwinden.

"Da mache ich nicht mit"

Vossenkuhl sei oft autoritär aufgetreten, heißt es von einzelnen Professoren, er habe keine anderen Meinungen gelten lassen. Der Philosoph, der in der Fachwelt als brillanter Denker gilt, will "in dieser schwierigen Situation" nichts sagen, bloß: Manchmal müsse man für richtige Entscheidungen entschieden eintreten.

Andererseits habe es der Senat versäumt, aus der Bewerberliste mehrere geeignete Kandidaten auszuwählen, sagt Hochschulrat Albert Schmid. Der SPD-Politiker war hochschulpolitischer Sprecher seiner Partei im Landtag und ist als Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern auch mit den Kirchenkreisen vertraut. "Wir müssen endlich aus der provinziellen Gremienkultur in Eichstätt herauskommen", fasst er die Probleme zusammen.

Dass anstatt offener Dialoge Briefe geschrieben und E-Mails verschickt würden, um Einfluss auf die Wahl zu nehmen, widerspreche demokratischer Sitte. "Da mache ich nicht mit." Die Konstruktion der Uni mit Senat, Hochschulrat und Stiftungsrat erschwere die Situation. "Da muss man im Vorfeld miteinander reden. Daran hat es gefehlt, aber das kennen wir ja auch aus anderen katholischen Institutionen."

Eine bessere Gesprächskultur, so betont jetzt auch Senatsvorsitzende Gabriele Gien, sei die Parole für die Zukunft. Mehr reden will nun auch der Generalvikar. Es sei notwendig, so gibt er zu, "die Gesprächskontakte noch mehr als bisher zu verstärken". Man wolle die nächsten zwei Jahre, in denen ein vom Stiftungsrat bestellter Interimspräsident die Uni führt, nutzen, um "ein reguläres Wahlverfahren vorzubereiten".

© SZ vom 05.07.2014
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