Satire "Ganz suu arch schlechd woars ja goar net"

Das Fränkische erschließt sich nicht jedem Zuhörer.

(Foto: dpa)

Ein Telekolleg Fränkisch, kann das sein? Ein Video des BR lässt manche Zuschauer ratlos zurück.

Kolumne von Olaf Przybilla

Scherz und Satire nicht als solche zu erkennen, gehört zu den Strafen Gottes, das ist fast noch schlimmer, als einen Dialekt zu sprechen, der beim neutralen Hörer als Grobschlächtigkeit ankommt. Und so sei es an dieser Stelle schamesrot eingeräumt: Ob ein Schwarzweißvideo, das der BR kürzlich online gestellt hat, ein famoser Fund aus den Tiefen des Rundfunkarchivs ist oder eine fabelhafte Satire - das hat sich der dafür zuständigen SZ-Fachredaktion auch beim siebten Mal Anschauen nicht erschlossen. Peinlich, aber die Wahrheit.

Das Video ist flankiert mit der BR-Bemerkung "Diesen Fränkisch-Kurs gab's tatsächlich, als beim BR die Bilder laufen lernten", samt Schlagwort "#70JahreBR". Das deutet nun alles auf historische Ware hin, klar. Was man dann aber zu sehen bekommt, wirkt komplett surreal. Ein hagerer Mann mit Krawatte und Zeigestab fordert im "Telekolleg Fränkisch" bedröppelt dreinschauende Zöglinge reihum auf, einige Sonderformen des Mittelhochfränkischen aufzusagen.

Hose? "Hosela", versucht sich eine Dame im Kostüm. "Hiesla!", knattert der Herr mit dem Stab. Nächste Abfrage: Bart? "Bartla." Der Sprachlehrer wird nun hörbar ungehalten, er giftet "Bärdla!", die Bedröppelten wirken angemessen verstört. Am Ende dürfen sie alle gemeinsam den Satz aufsagen: "Im Kullnhof" - einem Stadtteil von Nürnberg - "hams Hulzkulln gschtulln."

Das ist zum Niederknien bärbeißig und so himmlisch verstiegen, dass es eigentlich nur Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung sein kann. Oder? Ein Blick in die eben herausgekommene Neuauflage von "Fränkisch für Anfänger", erschienen im Langenscheidt-Verlag. Man schwimmt da förmlich in einem Stahlbad aus Grobfreundlichkeiten: Ich wäre jetzt gerne ungestört - auf Fränkisch? "Loumer mei Rouh!" Das ist tatsächlich eine blöde Sache? "Däss is fei wergli a bläide Woar." Tut mir leid, das haben wir nicht? "Hommer ned!" Und was sagt der geneigte Mittelhochfranke, wenn er nach dem Opernbesuch seine volle Zufriedenheit adäquat artikulieren möchte? "Ganz suu arch schlechd woars ja goar net."

Hat es diesen Kurs also tatsächlich gegeben? Wie man's nimmt, erklärt eine BR-Sprecherin, "aber wir wissen: Das war nicht ganz ernst gemeint." Man habe sich prächtig amüsiert dabei. Verständlich.

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