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Forstwirtschaft:Borkenkäfer verursacht Rekord

In Bayerns Wäldern gibt es so viel Schadholz wie nie seit dem Krieg

Der sturmreiche, sehr warme und trockene Sommer 2018 hat in Bayerns Wäldern eine Rekordmenge an Schadholz entstehen lassen. Mit 4,5 Millionen Festmetern bilanziert die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft für das vergangene Jahr so viel von Borkenkäfern befallenes Holz wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. "Wir verzeichnen seit 2015 einen kontinuierlichen Anstieg, das hat sich 2018 noch einmal verschärft", berichtet der Leiter der Abteilung Waldschutz, Ralf Petercord.

Selbst nach den Zyklonstürmen Vivian und Wiebke Anfang der 1990er-Jahre habe die Schadholzmenge unter der von 2018 gelegen, stellt der Forstwirt fest. An vielen Waldrändern stapeln sich derzeit lange Reihen aufgeschichteter Baumstämme. Oftmals können sie nicht abgefahren werden, weil die Lagerkapazitäten erschöpft sind, erläutert Petercord. "Die Sägewerke können derzeit nicht genügend Schadholz annehmen, weil sie die Mengen einfach nicht mehr verarbeiten können." In der Folge sank im ersten Halbjahr 2019 der Holzpreis kräftig. So werde der Festmeter Fichte der mittleren Güteklasse 2b derzeit mit 60 bis 75 Euro gehandelt, sagt der Leiter des Referats Holzwirtschaft im Forstministerium, Robert Morigl. Vor zwei Jahren seien es noch um die 100 Euro gewesen. Beim Schadholz würden häufig nur noch 25 bis 30 Euro bezahlt. Bei Einschlagkosten von bis zu 35 Euro werde damit nicht einmal der Deckungsbeitrag erreicht.

Auch für 2020 ist keine Besserung in Sicht. Allein durch den Schneebruch im Alpenraum im Januar sind nach Petercords Worten in Bayern zusätzliche 450 000 Festmeter Schadholz entstanden. Ein Festmeter Holz entspricht einem Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume. Es ist die Maßeinheit für unbearbeitete Stämme, die zum Beispiel im Wald am Wegesrand aufgeschichtet liegen.

Die lange Trockenheit seit März sei nur durch einen feuchten Mai unterbrochen worden und hat nach Angaben des Forstexperten erneut eine starke Schwarmaktivität beim Borkenkäfer in Gang gesetzt. Vor allem Kiefern und die flachwurzelnden Fichten sind anfällig für Sturmschäden und den Befall durch Borkenkäfer. Wichtig sei es nun, befallene Bäume schnell zu schlagen und aus dem Wald herauszubringen. Müssen Stämme im Wald lagern, sollten sie entrindet werden. Das sei aber bei der großen Menge derzeit nicht zu schaffen. Es fehlten Entrindungsmaschinen und Arbeitskräfte. "Wir raten, im Moment nur Schadholz aufzuarbeiten, um die Borkenkäferfront aufzuhalten", sagt Petercord. Es müsse darum gehen, die noch intakten Bestände zu schützen.