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Flüchtlingspolitik:Asylsozialberater sind ratlos

Staatliche Zuschüsse fließen mäßig, und den Trägern geht das Geld aus

Von Dietrich Mittler

Sie haben Tausenden Flüchtlingen geholfen, sich hier in den Alltag einzugliedern, haben Behördenbesuche vorbereitet, haben mit Asylsuchenden Formulare ausgefüllt oder auch Konflikte in Gemeinschaftsunterkünften geschlichtet. Nun aber geraten Bayerns Asylsozialberater selbst unter Druck, wie Michael Bischoff, Geschäftsführer des Caritasverbands für die Stadt und den Landkreis Fürth, am Montag sagte. Landesweit seien etliche Beratungsstellen in ihrer Existenz bedroht. "Für 2020", so schilderte er eine jener Herausforderungen, die ihn selbst belasten, "haben wir noch keinen einzigen Cent von den rund 200 000 Euro gesehen, die uns laut staatlichem Zuschussbescheid zustehen". Sein Fazit: "Der Freistaat Bayern lässt uns zappeln." Dazu komme, wie auch aus anderen Geschäftsstellen zu hören ist, dass bis zum Erhalt des Geldes "ein Bürokratiemonster" zu überwinden sei.

Das ist jedoch längst nicht das größte Problem, vor dem die Träger der Asylberatungsstellen im Freistaat nun stehen. Sowohl die Caritas, die sich bayernweit am stärksten in der Asylberatung engagiert, als auch die Diakonie und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) - sie alle müssen viel zur Finanzierung der Beratungsstellen beitragen. Während andere Bundesländer mehr als 90 Prozent der Beratungskosten tragen, liegt der Zuschussanteil in Bayern nur bei gut 60 Prozent. Für die christlich orientierten Verbände wird jetzt zunehmend zum Problem, dass die Kirchensteuer-Einnahmen sinken. Folglich drängen kirchliche Kämmerer darauf, die Ausgaben zurückzufahren. Das gilt für beide Konfessionen. "Die Kirche muss sparen", heißt es dazu. Aber auch seitens der Arbeiterwohlfahrt seien Kürzungen zu erwarten, betont der AWO-Landesvorsitzende Thomas Beyer, denn sein Verband könne "ja nicht mal auf eine Kirchensteuer zurückgreifen".

Für die Asylsozialberatung der Diakonie sind die Konsequenzen bereits absehbar. "Die klare Aussage bei uns ist, dass wir 2021 landesweit in der Asylsozialberatung 25 Prozent der Stellen kürzen werden", sagt Pfarrer Fritz Graßmann, der Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes Augsburg. Die Landeskirche könne einfach nicht mehr das zahlen, "was sie noch in den letzten Jahren zahlen konnte".

Zwar stocke der Freistaat nun die Fördersumme für die Asylsozialberatung leicht auf, aber das decke bei Weitem nicht die Ausgaben, sagt Graßmann. Dass augenblicklich die Zahl der Asylbewerber sinke, ändere ja nichts daran, dass die qualitativen Anforderungen an die Beratungsstellen hoch blieben. "Die Kürzungen werden wir spüren", ist sich Graßmann sicher. Bei der Caritas in Augsburg halten sich zumindest für die Berater die Härten in Grenzen. "Wir werden durch eine natürliche Fluktuation - etwa durch Verrentungen - niemanden entlassen müssen", sagte ein Sprecher.

© SZ vom 13.10.2020
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