Fahrenschon-Nachfolger im Landtag:Der Nachrücker

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Alex Dorow hat es doch noch geschafft. Der BR-Journalist zieht als Nachfolger von Ex-Finanzminister Georg Fahrenschon in den Landtag ein. Parteipolitisch ist er jedoch ein unbeschriebenes Blatt.

Erich C. Setzwein

Ein bekannter Fernsehjournalist geht in die Politik - dann kann er aber nicht mehr auf Sendung bleiben. Als absehbar ist, dass Alex Dorow in die Politik wechseln wird, nimmt ihn das Bayerische Fernsehen vom Schirm: Seit dem 2. Dezember vergangenen Jahres schon ist der Sprecher der Rundschau nur noch Vorleser fremder Texte im Radio. So möchte der öffentlich-rechtliche Sender parteipolitische Unabhängigkeit demonstrieren.

Alexander Dorow

Alexander Dorow rückt für Ex-Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) in den Landtag ein.

(Foto: Johannes Simon)

Für den 47-jährigen Dorow beginnt nun eine neue Karriere. Spätestens am 18. April wird er als Nachrücker auf der CSU-Liste für den früheren Finanzminister Georg Fahrenschon in den bayerischen Landtag einziehen. Dorow wird vorerst ohnehin nicht an eine Rückkehr in den Sender denken, sondern eher schon daran, wie er seinen neuen Job als Berufspolitiker auf Zeit dauerhaft verlängern kann - mit Hilfe der Wähler als Stimmkreisabgeordneter für Landsberg und Fürstenfeldbruck West und damit als Nachfolger von Thomas Goppel.

Parteipolitisch ist Alex Dorow fast ein unbeschriebenes Blatt, was weniger mit seinem politischen Verständnis und Handeln zu tun hat, sondern eher mit der Rücksichtnahme auf die Regeln des BR. So tingelte er als Redner auf Landfrauentagen von Dachau bis Ebersberg und Wolfratshausen, als für die CSU große Reden zu schwingen. Auch als Festredner beim Tag der Deutschen Einheit machte er gelegentlich auf sich aufmerksam. Doch Dorow fiel weit mehr wegen seiner Körpergröße von 1,90 Meter, auch wegen seines Lockenkopfes, der großen Brille und des bubenhaften Lächelns auf, als durch Politphrasen oder markige Sprüche. Neben dem Job und seiner Familie - er ist verheiratet und hat vier Söhne im Alter zwischen drei und elf Jahren - veranstaltete er Kulturabende. Da trat er dann als Sprecher auf, begleitet von dem Gitarrenduo Gruber und Maklar und dem Regensburger Organisten Norbert Düchtel. Er leitet eine kleine Theatergruppe am Ammersee und ist Lektor in seiner Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Landsberg. In seiner Zeit als Gemeinderat in Schondorf Ende der neunziger Jahre fiel er dagegen nicht gerade durch fleißige Sachbeiträge auf: Der Fernsehmann war damals eher selten bei den Sitzungen anwesend.

Seit 30 Jahren ist er Mitglied bei der CSU. Aus der Parteiarbeit an seinem Wohnort Landsberg am Lech hielt er sich allerdings heraus, bis er sich als Kandidat für die Landtagswahl 2008 meldete. Bei seiner Nominierung für die Oberbayern-Liste der CSU hatte er drei Gegenkandidaten, konnte sich durchsetzen und landete auch auf einem guten Platz. Eigentlich. Doch weil zunächst alle Direktkandidaten in den Landtag einzogen, blieb für die Bewerber auf der Liste nur die Warteposition. Dorows Absenz vom Schirm endete, er blieb eines der bekanntesten Gesichter der Rundschau-Nachrichten, die er im Wechsel mit anderen seit 2008 moderierte.

Vorher, von 1993 bis 2007, war er an gleicher Stelle zu sehen gewesen. Schon während des Studiums durfte er beim BR jobben und lernte so seinen späteren Arbeitgeber kennen. Seit 1991 ist er als sogenannter "Fester Freier" unter Vertrag. Journalist zu sein, stand für ihn stets höher, als Politiker zu werden. Jetzt aber macht er den Schritt auf die andere Seite, die er 20 Jahre lang aus der Distanz des neutralen Journalisten mit kritisch-subjektivem Blick beobachten konnte.

Dorow wird mit der Zeit von bisherigen Kollegen beobachtet werden, sie werden genau verfolgen, was der Politikbetrieb aus ihm macht. Dorow sagt, er wisse, wo er herkomme, was ihn ausmache. Die Kultur auf dem Land liegt ihm näher als die Hochkultur in den Städten, die habe "glücklicherweise viele Fürsprecher".

Beim BR hält man sich mit Nachrichten über den Kollegen zurück. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Dorows Berufswechsel zum Landespolitiker ein paar Sekunden Sendezeit wert ist. Dabei gibt es durchaus Karrieren, die mit der von Dorow vergleichbar sind. So kommt auch in der Biografie von Kultusminister Ludwig Spaenle ein BR-Kapitel vor: Von 1990 bis 1994 war er Fernsehredakteur in Freimann, zu einer Zeit, als auch Dorow schon für den Sender arbeitete - und ebenso Markus Söder, heute bayerischer Finanzminister.

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