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Examensprüfung:Angehende Lehrer fordern Kulanz

Nach Protesten der Studenten gewährt Piazolo einen Freiversuch

Der Ärger ist groß unter bayerischen Lehramtsstudenten, deren Examensprüfungen am 19. März aufgrund von Corona ausgesetzt wurden. Sie kritisieren wochenlanges Schweigen des Ministeriums und fordern Erleichterungen bei den Prüfungen. Am Mittwoch kam Kultusminister Michael Piazolo (FW) ihnen nun entgegen: Alle 5500 Prüflinge bekommen einen Freiversuch, sie können das Examen im Zweifel wiederholen. Sonst dürfen das nur jene, die in der Regelstudienzeit fertig werden. Er verstehe die Sorgen der Studenten, sagte Piazolo und wolle ihnen Druck "und die Sorge vor Nachteilen" nehmen.

Studenten und Lehrerverbände hatten den psychischen Druck durch Ungewissheit und allgemeine Ängste aufgrund der Corona-Krise beklagt. Geschlossene Bibliotheken und existenzielle Sorgen erschwerten die Situation zusätzlich, sagte Laura Teichmann, Vorsitzende der Studenten im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Sie forderte neben dem Freiversuch auch Kulanz bei der Korrektur und die Möglichkeit, von den Klausuren zurückzutreten, ohne Gründe nennen oder alle Prüfungen wiederholen zu müssen. Andere Studenten fordern analog zur Idee einiger Schüler ein Durchschnittsexamen aus vorhandenen Noten. Alternativ sollen pauschal alle Prüflinge ihr Examen bestehen und dazu die Möglichkeit haben, ihre Note auf Wunsch verbessern zu können.

Während Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Mittwoch der dpa sagte, dass sie sich für ihre protestierenden Prüflinge ein Durchschnittsexamen vorstellen kann, äußerte sich Bayerns Kultusminister Piazolo nicht zu diesen Ideen. Aber er betonte, dass er dem Qualitätsanspruch der "ausgezeichneten" bayerischen Lehrerausbildung "auch in diesem Jahr gerecht" werden wolle. Im Klartext: Pauschal alle bestehen zu lassen, ist keine Option. In der vergangenen Woche hatte das Ministerium neue Prüfungstermine bekanntgegeben, die Examen finden vom 18. Mai an statt.

Kritik lösen auch die Sonderregeln für das zweite Staatsexamen aus: Knapp 3200 Referendare müssen bis zum Sommer noch ihre dritte Lehrprobe ablegen. Die Demonstration mit Schülern ist aber kaum denkbar, daher sollen sie eine Stunde entwerfen und sich danach einem halbstündigen Prüfungsgespräch stellen. "Aber alles, was für Lehrer wichtig ist, kann in diesem Gespräch nicht gezeigt werden", bemängelt ein erfahrener Schulleiter. Im Ministerium sieht man kein Problem: Nach zwei Jahren ständiger Beobachtung wüssten Schulleiter und Gutachter, ob Referendare mit Schülern umgehen können.

© SZ vom 07.05.2020 / angu
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