Evangelische Kirche:Missbrauchsfälle in Landeskirche

Aufklärung von Vorwürfen ist auch bei Protestanten großes Thema

Nicht nur in der katholischen Kirche ist Missbrauch ein Thema, drei Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch beschäftigen aktuell die evangelische Kirche in Bayern. Zwei Fälle liegen bei der Staatsanwaltschaft, in einem weiteren Fall wurde ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet, wie der Sprecher der Landeskirche, Johannes Minkus, sagte. Die bayerischen Staatsanwaltschaften meldeten bei einer Umfrage der dpa ebenfalls zwei Fälle: In der Oberpfalz wurde ein Strafbefehl gegen einen evangelischen Pfarrer erlassen. Der Geistliche bekam nach Angaben des Amtsgerichts Tirschenreuth Mitte Juni eine Strafe von elf Monaten auf Bewährung. Opfer soll in diesem Fall eine erwachsene Frau sein. Gegen den Pfarrer wurde Strafbefehl aufgrund des Paragrafen zu "Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses" erlassen. Die beiden hätten eine besondere Beziehung in einer dieser Konstellationen gehabt, erklärte der Gerichtssprecher. Details nannte er nicht.

Die Staatsanwaltschaft Amberg meldete einen Fall, ohne weitere Details zu nennen. "Die Akten sind bereits seit Jahresanfang zu Ermittlungen an die Polizei versandt", sagte er. Anzeige habe die Landeskirche erstattet.

Auch alte Fälle beschäftigen die Kirche: In den vergangenen fünf Jahren zahlte die bayerische Landeskirche insgesamt 911 000 Euro Anerkennungsleistungen an Opfer sexuellen Missbrauchs aus (Stand 31. Dezember 2020). Aus diesen Fällen ergeben sich 46 männliche und 14 weibliche mutmaßliche Täter, darunter 15 Pfarrer, 22 Erzieher oder Erzieherinnen, fünf Diakone, ein Internatsleiter, ein Kirchenmusiker, ein Mesner und drei Ehrenamtliche.

Im Herbst 2020 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben, die 2023 veröffentlicht werden soll. Die EKD hatte Ende 2018 auf einer Synode angekündigt, verbindliche Standards für die unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt zu schaffen. Es geht unter anderem um die Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungskommissionen in den 20 Landeskirchen. Die Gremien sollen überwiegend mit externen Experten und Betroffenen besetzt sein.

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