Erlangen:Jüdische Gemeinde plant eigene Synagoge

Von Olaf Przybilla, Erlangen

Seit dem 19. Dezember 1980 muss die Geschichte jüdischen Glaubens in Erlangen als eine besondere gelten. Damals hatte ein Neonazi den Verleger und Rabbiner Shlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke in deren Wohnhaus in Erlangen ermordet. Die Tat ging als das Erlanger Trauma in die Historie der Stadt ein. Mehr als 40 Jahre danach versucht die Jüdische Kultusgemeinde nun einen großes Schritt. Die Gemeinde, eine der kleineren in Bayern, plant eine eigene Synagoge mit Gemeindezentrum - ein neues Haus des jüdischen Lebens in Erlangen. Für die Erlanger Gemeinde wäre dieser Bau "etwas Einmaliges" und in der Geschichte der Gemeinde "noch nie Dagewesenes", formuliert die Vorsitzende der Kultusgemeinde, Ester Limburg-Klaus.

Um das Haus zu verwirklichen, hat die 1997 neu gegründete Gemeinde eine Fundraising-Kampagne gestartet. Für das Haus sind zwischen vier und sechs Millionen Euro veranschlagt, die nur zum Teil aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert werden. Um das Projekt in der Stadtgesellschaft bekannter zu machen, lädt die Gemeinde am Sonntag, den 22. August, zu einem "Fest des jüdischen Lebens" auf den Erlanger Rathausplatz ein. Gefeiert werden soll die "vielfältige, tolerante und robuste Stadtgesellschaft", wie es in der Einladung heißt. Der Stadtrat und Oberbürgermeister Florian Janik haben ihre Unterstützung für das Bauprojekt bekundet.

Bislang hat die Gemeinde ihren Sitz in Mieträumlichkeiten am Erlanger Burgberg. Die Versuche, eine geeignete Immobilie zu finden, hätten sich schwieriger gestaltet als zunächst erwartet, sagt der Münchner Terry Swartzberg, der die Kultusgemeinde bei ihrer Geldsammelaktion unterstützt. Inzwischen aber sei man optimistisch, dass sich demnächst ein geeignetes Objekt finde. Die Idee der Gemeinde, "die Stadtgesellschaft zu umarmen", hält Swartzberg für genau richtig. Es gehe auch darum, ein Zeichen zu setzen, "dass wir jüdisch, sichtbar und angstfrei sind", sagt er. Nach Angaben der Gemeinde stammt die Mehrheit ihrer Mitglieder aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion; etwa ein Fünftel der Mitglieder habe "der Beruf oder das Studium in den letzten Jahren nach Erlangen" geführt. Innenminister Joachim Herrmann hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB