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Volksfeste in Bayern:"Fressen und Saufen, das geht noch"

Auch Roland Schramm, Schausteller in Franken, betreibt noch eine Schiffschaukel. "Ein Geschäft ist das nicht mehr", bestätigt er die Worte seiner Kollegen. "Die Jugend gibt ihr Geld für Handys aus", sagt er. Misslich sei auch, dass viele Märkte und Kleinstädte ihre Volksfeste nicht mehr ausreichend unterstützten. "Die haben das Geld nicht mehr übrig." Die Folge: Auch die Freimarkerl für die Kinder sind damit weg. "Zum Glück gibt's noch die Weihnachtsmärkte", sagt Schramm. "Ohne sie ginge gar nichts mehr."

"Mit einer Nostalgie-Schiffschaukel lockst du heute niemanden mehr an", sagt Günther Haimerl, der Vorsitzende des Schaustellerverbands Ostbayern. "Wir haben als Kinder früher schon neugierig beim Aufbau der Fahrgeschäfte zugeschaut, aber heute ist das uninteressant." "Fressen und Saufen, das geht noch", weiß Haimerl. Deshalb verdienen viele Schausteller mittlerweile ihr Geld mit Imbissständen, Mandeln, glasierten Früchten und Wurfbuden. "Früher waren Volksfeste die Nummer 1 auf dem Vergnügungsmarkt", sagt Haimerl, "heute sind sie im Freizeitgeschäft ein Faktor von vielen. Die Leute können ihr Geld aber nur einmal ausgeben."

Seit 1998 geht es steil bergab

"Auch die alten Varieté-Schaubuden haben ausgedient", sagt Haimerl, "in Zeiten des Internet sind sie nicht mehr interessant." Selbst der Autoscooter - von dem man es nicht meinen sollte - hat viel von seiner einstigen Popularität eingebüßt. Früher war das der beliebteste Jugendtreff auf einem Volksfest. "1998 war unser bestes Autoscooter-Jahr", sagt Edmund Diebold. "Damals spürten wir das Interesse der Zuwanderer aus der DDR und aus Russland. Das hat uns gut getan. Von da an ging es steil bergab."

Den Kopf in den Sand stecken die Besitzer der Traditionsgeschäfte aber nicht. In ihrer oft mehr als hundertjährigen Geschichte haben die Schaustellerfamilien gelernt, sich in Krisenzeiten zu behaupten. "Irgendwie wird's immer weitergehen", sagt Roland Schramm, der seinen Betrieb trotz Schaukel- und Autoscooterkrise kürzlich sogar vergrößert hat.

© SZ vom 22.06.2015/mest
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