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Demoskopie:Warum die Mehrheit der CSU wackelt

Kabinettssitzung in München

Horst Seehofer hat guten Grund zur Sorge: Laut einer Umfrage rutscht die CSU aktuell stark in der Wählergunst ab. Die Partei kommt nur noch auf 40 Prozent.

(Foto: dpa)

Seehofer reagiert nervös auf die neueste Forsa-Umfrage. Sicher ist: Auch die CSU schafft es nicht, die Sympathisanten der Rechten noch an sich zu binden.

Kommentar von Kurt Kister

Politiker und auch die Kanzlerin behaupten gerne, ihnen seien Umfrageergebnisse eigentlich egal. Das stimmt nicht. Zwar haben die Ergebnisse von Meinungsforschern in Deutschland weniger direkt Einfluss auf die Formulierung von Politik, als dies beispielsweise in den USA der Fall ist. Aber dennoch werden sie ernst genommen - zu Recht, weil die bekannten Institute sich ihre Zahlen ja nicht aus den Fingern saugen.

Forsa gehört zu den bekannten Instituten. Im Moment sieht es die CSU in Bayern nur noch bei 40 Prozent, was andere Institute nicht tun. Der Generalsekretär der CSU beschuldigte Forsa prompt der "Stimmungsmache". Auch Horst Seehofer rechnet das Institut eher unter die politischen Gegner. Kein Wunder, denn der Verlust der absoluten Mehrheit wäre die größte vorzustellende Katastrophe für die CSU und für ihren Chef Seehofer.

Sicher ist: Gäbe es diesen Sonntag Wahlen in Bayern, würde die AfD stärker als FDP oder Freie Wähler werden. Auch die CSU schafft es nicht, die Sympathisanten der Rechten noch an sich zu binden. Andererseits hat sie, worauf ihr Veteran Alois Glück hinweist, viele liberale Wähler durch Gepolter gegen die Flüchtlingspolitik vergrätzt. Die CSU hat rechts und in der liberalen Mitte verloren. Das kann für sie fatal werden, denn bisher bezog die CSU ihre Stärke daraus, dass sie, wählersoziologisch gesehen, so etwas wie eine große Koalition in nur einer Partei war.

© SZ vom 09.06.2016/dit

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