CSU-Parteitag in München:Einige werden Seehofer Populismus vorhalten

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Nach außen tarnt Seehofer sich und seine Partei deshalb mit einer ordentlichen Portion Demut. Nur nicht die Bodenhaftung verlieren. Deshalb hat er auf dem Parteitag auch den Europa-Kritiker Peter Gauweiler zum Partei-Vize gemacht. Der soll bei der Europawahl die Europa-Kritiker von der AfD in Schach halten.

Seehofer weiß, wie weit verbreitet anti-europäische Ressentiments in der Bevölkerung sind. Deshalb schimpft auch er bei Gelegenheit über die Europäische Kommission, schimpft auf Kommissare, die Wachstum zerstörten statt es zu fördern, beklagt sich über die viele Aufräumarbeit, die ihm falsche Entscheidungen des seiner Meinung nach zentralistischen, aufgeblähten, bürokratischen Kolosses namens EU bescheren. Gauweiler ist für Seehofer eine Art temporäre Erweiterung des eigenen Politikerselbst.

Doch mit der Idee, Gauweiler in Position zu bringen, nimmt Seehofer in Kauf, dass einige die Faust in der Tasche ballen. Mit Barbara Stamm ist beispielsweise nur noch eine Frau in der Parteispitze vertreten. Und auch bei den Schwaben waren nicht alle über die Berufung des Münchners Gauweiler glücklich.

Seehofer muss aufpassen

Seehofer versucht dagegen zu steuern, die Frauenquote im Vorstand werde erfüllt, dem Schwaben Markus Ferber verspricht er für die Europawahl die Spitzenkandidatur. Trotzdem muss der Machtmensch Seehofer aufpassen, dass er seine Partei nicht überfordert, dass er das Spiel nicht zu weit treibt.

Schon werden Vergleiche zwischen 2013 und 2003 angestellt. Tatsächlich kann Edmund Stoiber bitter Zeugnis darüber ablegen, wie schnell es in der CSU abwärts gehen kann. Stoiber hat mit seinem abgehobenen Manager-Gebaren die Partei überfordert. Überfordert Seehofer seine Partei, weil er die völlige Verschmelzung mit dem Volk anstrebt? Das Schicksal Stoibers sollte ihm jedenfalls eine Warnung sein.

CSU steht vor einer Phase des Übergangs

Denn schon bald, wenn die Regierung steht, wird für die CSU eine Phase des Übergangs anbrechen. Seehofer hat für 2018 seinen Abschied aus der Politik angekündigt. Auf dem nächsten Parteitag in zwei Jahren noch einmal über 95 Prozent zu holen, das dürfte ihm deshalb kaum gelingen. Die Disziplin wird in Übergangsphasen traditionell zum Problem innerhalb der CSU. Die Reihen müssen ja erst bis zur nächsten Wahl geschlossen werden. Und einige von den vielen, die Seehofer in den vergangenen Jahren vor den Kopf gestoßen hat, werden ihm dann seinen Populismus vorhalten. Werden ihn Opportunisten schimpfen. Sie werden ihm vorwerfen, dass er Einwände gegen Entscheidungen einfach weggewischt hat mit dem Argument, das sei schließlich der Wille des Volkes.

"Dem Volk aufs Maul schauen - ja, aber nicht ihm nach dem Mund reden - das ist unsere Parole." Das hat Franz Josef Strauß gesagt.

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