CSU: Guttenberg wird Delegierter Lektion Bescheidenheit

Ist das der Beginn eines großen Comebacks? Karl-Theodor zu Guttenberg kommt zum CSU-Parteitag - diesmal nur als Delegierter. Doch damit löst der einstige Shootingstar offenbar ein politisches Versprechen ein.

Von Birgit Kruse

Ist das der erste Schritt für das große Comeback auf die politische Bühne? Hat Karl-Theodor zu Guttenberg seine selbstverordnete Auszeit von der Politik beendet?

Karl-Theodor zu Guttenberg wird als Delegierter im Herbst auf dem Parteitag in Nürnberg sein.

(Foto: dapd)

Nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit war Guttenberg abgetaucht. Zuerst verlor er seinen guten Ruf als moralische Instanz in der Politik, dann sein Ministeramt und zuletzt gab er noch den Posten als CSU-Bezirkschef in Oberfranken ab. Einzig sein CSU-Parteibuch war ihm geblieben.

Um seine "geplagte und belastete Familie" wollte er sich kümmern und die Auszeit als eine "der Reue und wahrscheinlich auch der Buße" nutzen.

Wenn da nicht dieses Versprechen gewesen wäre, das Guttenberg kurz nach seiner Rücktrittserklärung abgegeben hatte: Weder die Oberfranken, noch seine "politische Heimat", die CSU, werde er "im Stich lassen", hatte er gesagt.

Den ersten Teil des Versprechens löste er umgehend ein. Bis 2013 wolle er in seiner Heimat ein Bürgerbüro unterhalten - mit einer Vollzeitkraft und auf eigene Kosten.

Jetzt beginnt er offenbar mit der Einlösung seines zweiten Versprechens. Als Delegierter wird der Baron den CSU-Kreisverband Kulmbach erst auf dem Bezirks- und dann im Oktober auf dem Landesparteitag vertreten. Das ist der weitaus spannendere Termin.

Auf einem Parteitag richtet sich die mediale Aufmerksamkeit auf die Spitzenpolitiker der Partei - in den letzten Jahren vor allem auf Guttenberg. Doch auf diesem Parteitag wird kein Schild mit seinem Namen in der ersten Reihe aufgestellt. Dieses Jahr wird Guttenberg sich mit einem der hinteren Plätze begnügen müssen, irgendwo zwischen den anderen Delegierten aus Franken.

Doch darauf wird es nicht ankommen. Eine andere Konstellation verleiht der Delegierten-Aufstellung die nötige Würze. Der Parteitag im Oktober ist nicht irgendein Parteitag: In Nürnberg muss sich CSU-Chef Horst Seehofer der Wiederwahl zum Parteivorsitzenden stellen. Zuletzt erzielte Seehofer 2009 nur rund 88 Prozent der Stimmen - wenig für eine Partei, die ihre Vorsitzenden meist mit 90-plus-X-Ergebnissen beglückt. Alle zwei Jahre wählt die Partei ihre Führungsmannschaft neu. Im Herbst ist es wieder so weit.

Anfang des Jahres war noch gemunkelt worden, Guttenberg als beliebtester deutscher Politiker könne Seehofer den Platz an der Spitze der Partei streitig machen. Von einer Kampfkandidatur zwischen Seehofer uns dessen politischen Ziehsohn war kurzzeitig schon die Rede.

Diese Debatte hat sich erledigt. Trotzdem wird Guttenberg die mediale Aufmerksamkeit sicher sein. Das könnte die Diskussion um seine Rückkehr auf die politische Bühne neu befeuern.

Erst vor wenigen Wochen antwortete Seehofer in einem Spiegel-Interview auf die Frage, ob Guttenberg noch CSU-Chef werden könnte: "Warum denn nicht? Er ist ein großes Talent." Seehofer rechne "nach wie vor damit", dass Guttenberg eines Tages wieder zur Verfügung stehe. Auch der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel hatte noch am Tag des Guttenberg-Rücktritts gesagt: "Jeder Mensch hat das Recht auf eine zweite Chance." Das sieht in der CSU längst nicht jeder so.

Für den ehemaligen Wissenschaftsminister Thomas Goppel ist die politische Karriere Guttenbergs jedoch beendet. "Das ist im Prinzip vorbei", sagt der einstige Generalsekretär. "Ich glaube allen Ernstes, dass man in einer solchen Geschichte mit einem solchen Ergebnis mit solchen Vorgaben nicht davon reden kann, dass man morgen in der Politik wiederkommt." Vielleicht nicht gleich wieder als Hoffnungsträger - als Delegierter, das hat die Wahl in Kulmbach gezeigt, aber eben schon.

Und wenn nicht, hat Guttenberg ja auch schon einen Plan B angekündigt: Er kann sich vorstellen, ein Buch über seine politische Karriere zu schreiben.