bedeckt München
vgwortpixel

Brandschutz:Bewohner wehren sich gegen Fassadentausch

Innerhalb weniger Wochen wurde die Fassade an fünf Häusern entfernt.

(Foto: SZ)

Streit um Nürnberger Hochhaus: Mehr als 200 Eigentümer erzielen vor Gericht einen Erfolg gegen Immobiliengesellschaft

Seit gut zwei Monaten müssen die Bewohner der markanten Hochhäuser in Nürnberg-Langwasser nun schon ohne Wärmedämmung auskommen. Und während sie mit aufgedrehter Heizung und einem ungemütlichen Lüftungsregime gegen feuchte Wände und Schimmel kämpfen, wehren sie sich auch juristisch und öffentlichkeitswirksam dagegen, die Kosten für den Fassadenabriss zu übernehmen. Nach Demonstrationen vor dem Rathaus und der Nürnberger Geschäftsstelle des Immobilienunternehmens Vonovia passten sie kürzlich auch Ministerpräsident Markus Söder bei einer CSU-Veranstaltung in Nürnberg ab, um ihn auf ihre Misere aufmerksam zu machen. Der versprach, die Sache prüfen zu lassen.

Die Mehrzahl der Wohnungseigentümer, viele von ihnen Rentner mit geringem Einkommen, halten den millionenteuren Fassadenaustausch nicht nur für überstürzt, sondern sogar für unnötig. Und sie erheben schwere Vorwürfe gegen die Wohnungsverwaltungsgesellschaft Vonovia Treuhand Immobilien (VIT) und die Stadt Nürnberg, die den Brandschutz sicherstellen muss. Stadt und Vonovia hatten im Oktober gemeinsam beschlossen, die Fassade so schnell wie möglich entfernen zu lassen, weil die vor mehr als fünfzig Jahren verbauten Dämmplatten brennbares Material enthielten. Beide Parteien halten den Abriss nach wie vor für notwendig und rechtmäßig.

Während ein Gericht erst noch darüber entscheiden muss, ob die Hau-Ruck-Aktion tatsächlich gerechtfertigt war, konnten mehr als 200 Wohnungseigentümer, die gemeinsam gegen ihre bisherige Verwaltungsgesellschaft klagen, in dieser Woche einen ersten Erfolg verzeichnen. Das Amtsgericht Nürnberg hat in einer einstweiligen Verfügung festgestellt, dass die VIT gar nicht als Verwalterin der gesamten Wohnanlage auftreten darf. Das Unternehmen hatte im Oktober zu einer außerordentlichen Eigentümerversammlung geladen und sich dort die bereits beauftragten Baumaßnahmen absegnen lassen. Gegen diesen Beschluss, zu dem sich einige Bewohner genötigt sahen, haben die mehr als 200 Eigentümer anschließend geklagt.

Die Neuselsbrunn genannte Siedlung stammt aus den Sechzigerjahren und liegt direkt gegenüber dem Nürnberger Messegelände. Sie besteht aus insgesamt zwölf Gebäuden, darunter drei Hochhäuser mit 20 Stockwerken und zwei mit 15 Stockwerken, für die besondere Brandschutzauflagen gelten. Die Vonovia hatte die ursprünglich vom Bund gebauten Wohnungen Ende der Neunzigerjahre gekauft und in Eigentumswohnungen umgewandelt. Laut Amtsgericht Nürnberg wurde die Tochterfirma VIT damals zwar von jeder Eigentümergemeinschaft in den zwölf Gebäuden einzeln zur Verwalterin bestellt, nicht aber von der Gesamtgemeinschaft. Und da die VIT keine rechtmäßige Verwalterin der Gemeinschaft sei, könne sie auch keine Eigentümerversammlung einberufen, stellte das Amtsgericht fest: "Alle dort gefassten Beschlüsse wären anfechtbar." Damit die Eigentümer nicht ohne Verwalter dastehen, hat das Gericht ein Mitglied der Eigentümergemeinschaft dazu berechtigt, eine außerordentliche Eigentümerversammlung einzuberufen. Am 12. Februar soll die nun einen neuen Verwalter bestellen.

Stefan Ollig, Geschäftsführer der Verwaltungsgesellschaft VIT, kommentierte das Urteil auf Anfrage der SZ so: "Wir nehmen die Entscheidung des Amtsgerichts Nürnberg zur Kenntnis und gehen davon aus, dass eine außerordentliche Eigentümerversammlung einberufen wird. Die VIT wird selbstverständlich jede dort getroffene Entscheidung der Eigentümer respektieren."