Gesundheit in Bayern:Das Blut wird knapp

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Gesundheit in Bayern: Rar und schwer nachgefragt: Gerade werden in Bayern die Blutkonserven knapp.

Rar und schwer nachgefragt: Gerade werden in Bayern die Blutkonserven knapp.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Jedes Jahr im Sommer fehlen in Bayern Blutspender. In diesem Jahr könnten die gelockerten Corona-Regeln die Situation noch verschärfen.

Von Marvin Kalwa, München

Mit dem Sommer kommt in jedem Jahr die Klage: Die Blutkonserven werden knapp. So ist es auch heuer, viel zu wenige Menschen gehen zurzeit zur Blutspende. "Die Notversorgung kann noch aufrecht erhalten werden", sagt Patric Nohe, Sprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), doch Reserven gibt es nahezu keine mehr. Was den Spendern abgezapft wird, wird quasi direkt wieder verbraucht. Mehr als 2000 Blutkonserven werden Nohe zufolge pro Tag in Bayern benötigt, etwa für Operationen, bei Unfällen und vor allem für die Krebstherapie.

Dabei habe sich nach dem Weltblutspendetag in der vergangenen Woche die Lage scheinbar entspannt, sagt Nohe. Tatsächlich aber nur scheinbar: "Wenn die Menschen sich gerade für die nächsten Tage online einen Termin buchen wollen, sehen sie, dass vieles ausgebucht ist. Es ist aber ein Fehler zu denken, dass alles wieder bei uns passt." Auch wenn um den Termin herum viele Menschen erreicht werden könnten.

Allerdings müsste für das BRK eigentlich 365 Tage im Jahr Weltblutspendetag sein. Gerade jetzt sei die gefährlichste Zeit, sagt er und meint damit eine Art "Post-Alarm-Stimmung": Wer jetzt keinen Termin bekomme, der müsse daraus folgern, dass die Situation so angespannt nicht sein könne. Doch das Problem ist die Haltbarkeit der Blutkonserven: Sie liegt nur bei fünf bis sechs Wochen.

Womöglich ist die Situation deshalb in einem Monat, wenn in Bayern die Sommerferien beginnen, schon wieder deutlich besorgniserregender. Zumal in diesem ersten Nach-Corona-Sommer, in dem viele Menschen ein besonders großes Bedürfnis nach Freizeitaktivitäten hätten. Und dazu zählt das Blutspenden eher nicht. "Weil die Leute noch nicht wissen, was im Herbst wieder sein könnte, ist vielen in Moment einfach alles wurscht. Sie sagen, ich möchte jetzt einfach mal rausgehen." Nohe kann das nachvollziehen, sagt er, er gönne allen die Freiheit ohne Corona-Regeln, nur passen die endlich wieder spontanen Vorstellungen der Menschen gerade nicht mit seinen Vorstellungen von Kontinuität zusammen.

Teils kursieren Falschmeldungen im Internet

Da ploppen wieder alte Fragen auf, zum Beispiel: Warum zahlt das Rote Kreuz kein Geld für die Blutspende? Könnte das nicht mehr Spender anlocken? Machen andere private Spendedienste und Krankenhäuser doch auch. Nohe entgegnet: "Ich habe von anderen Einrichtungen, die Geld zahlen, aber auch noch nicht gehört, dass die keine Probleme hätten."

Das BRK setze wie die anderen Landesverbände zuvörderst auf die Nächstenliebe der Spender: "Wir wollen, dass eine Spende eine Spende bleibt", sagt Nohe. Eine sichere Spende, könnte man ergänzen, denn Nohe sieht es so, dass manche sich durch den Geldanreiz versucht sehen könnten, falsche Angaben zu machen. Etwa zu verheimlichen, dass sie frisch tätowiert seien oder kürzlich aus einem Malaria-Gebiet zurückgekehrt seien. Andererseits, das muss er dann auch zugeben, habe er so was von anderen Spendediensten auch noch nicht gehört.

Eher passiert es, dass Falschinformationen, wie sie im Internet kursieren, die Spendebereitschaft hemmen. In den Kommentarspalten zu Artikeln über den Weltblutspendetag konnte man zum Beispiel oft lesen, dass Geimpfte nicht mehr spenden dürften. Alles Quatsch, sagt Nohe. "Eine haarsträubende Theorie ist auch, dass viel mehr Spenden als nötig abgegeben werden und wir das Geld in die USA schicken oder zu afrikanischen Warlords", erzählt Nohe.

Der Mangel an Blutkonserven könnte sich gerade in den Sommerferien nochmal verstärken, wenn potentielle Spender im Urlaub sind. Die Reserven bleiben das Problem. "Leichtere Operationen wurden in einigen Krankenhäusern schon wieder verschoben", sagt Nohe. Nicht auszuschließen, dass dies während der Ferien wieder ein akutes Thema werden könnte.

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