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Bayreuth:Abhörmaßnahmen im Fall Peggy

Ermittler informieren Betreuerin von Ulvi K. über deren Überwachung

Bei einer Telekommunikationsüberwachung sind im ungelösten Mordfall Peggy K. auch Gespräche von Gudrun Rödel, der Betreuerin von Ulvi K., abgehört worden. K. ist der geistig beeinträchtigte Mann, der 2004 wegen Mordes an der neunjährigen Peggy zunächst verurteilt, zehn Jahre später aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen worden ist. Wie aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Bayreuth hervorgeht, wurde aufgrund richterlicher Anordnung "Telekommunikation", an der die Betreuerin beteiligt gewesen sei, "aufgezeichnet".

Nach Angaben des Anwaltsbüros Hanna Henning, das die Rechte von K. vertritt, sei man "schwer irritiert" über den Schritt der Ermittler. Sogar die Freundin des geistig beeinträchtigten Mannes sei informiert worden, dass sie abgehört worden ist. Das löse umso mehr Unverständnis aus, sagt Thomas Henning, weil K. im noch anhängigen Ermittlungsverfahren in der Causa Peggy nicht als Beschuldigter gilt. Letzteres bestätigt der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth, Martin Dippold. "Das Verfahren gegen Ulvi K. ist rechtskräftig abgeschlossen, neue Ermittlungen gegen ihn gibt es nicht", sagt er. Thomas Henning hat bereits angekündigt, Einspruch gegen die Überwachung einzulegen. "Ich halte diese für eine unglaubliche Sauerei", sagt er. Sein Mandant, der in einem Heim lebende Ulvi K., sei stark verängstigt seit dem Anschreiben der Staatsanwaltschaft.

Zu einem Teil kann Staatsanwalt Dippold die Reaktionen verstehen. Dass man erschrocken auf die Mitteilung reagiere, man sei abgehört worden, sei zunächst "nachvollziehbar", sagt er. Freilich richte sich die Maßnahme nicht gegen Ulvi K. Die Überwachung sei vielmehr "im Rahmen des Ermittlungsverfahrens" gegen Manuel S. eingerichtet worden. Die Maßnahmen hätten sich seit 2016 über einen "längeren Zeitraum erstreckt". Dass jetzt über die Abhörmaßnahmen informiert worden ist, habe mit gesetzlichen Fristen zu tun, innerhalb derer Abgehörte über dergleichen informiert werden müssten. Manuel S., der zum Zeitpunkt des Verschwindens von Peggy 2001 in Lichtenberg lebte, war im Dezember 2018 festgenommen worden. Gegen ihn gebe es einen dringenden Tatverdacht, dass er "als Täter oder Mittäter" an der Tötung Peggys beteiligt gewesen sei, erklärten die Ermittler damals. Manuel S. und Ulvi K. waren miteinander bekannt.

Nach einer Beschwerde des Anwalts von Manuel S. ist dieser wieder auf freiem Fuß. Nach Auffassung des Landgerichts Bayreuth bestehe zwar eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass S. am Wegschaffen der Leiche von Peggy beteiligt gewesen sei. Einen dringenden Mordverdacht aber - und also einen Haftgrund - gebe es nicht.

Gudrun Rödel erzürnt vor allem, dass nun auch zahlreiche Bekannte, Freunde und Nachbarn von ihr darüber informiert worden sind, dass Gespräche mit ihnen abgehört wurden. "Leute, mit denen ich in Telefonaten nie über den Fall gesprochen habe", und die nun aufgrund der Mitteilung "in Angst und Panik" geraten seien. Auch die Frau des Lichtenberger Stadtrats Norbert Rank ist darunter; obwohl nicht zu erkennen sei, wie diese in das Verfahren involviert sei, erklärt der Stadtrat. "Aber ich wundere mich inzwischen über gar nichts mehr", sagt Rank.

© SZ vom 19.11.2019
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