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Weihnachtsfeiern:Digitale Weihnachtspakete aus der Firma

Weihnachtsfeier

Ein besonderes Fest erfordert besondere Methoden.

(Foto: dpa)

Weihnachtsessen to go, Gin-Tasting am Computer: Bayerische Unternehmen finden kreative Lösungen, um trotz der Corona-Pandemie ihre Mitarbeiter zu beschenken.

Von Paula L. Trautmann, Bamberg/Nürnberg

Der Glühwein fließt in Massen, Lebkuchen oder gar eine feine Ente mit Knödeln und Blaukraut werden verspeist. Es wird gelacht, getanzt, getrunken. Dezember ist die Zeit der geselligen Weihnachtsfeiern. Nicht jedoch im Corona-Jahr. Restaurants sind geschlossen, Events verboten, stattdessen heißt es Abstand halten und Homeoffice. Es ist ein schwieriges Jahr. Um die Stimmung der Mitarbeiter zu heben, wäre eine Feier genau das Richtige. Bayerische Unternehmen finden kreative Lösungen, um trotz der Corona-Pandemie zu feiern.

Zum "digitalen Genießer-Meeting" lädt etwa Daniela Köhler, Geschäftsführerin der Werbeagentur "besonders sein" aus Nürnberg. Dafür will sie die Stiefel ihrer Mitarbeiter zum Nikolaus mit Schokolade und Süßigkeiten füllen. Den "Nikolausstiefel to go" können die Angestellten zum Befüllen in die Agentur schicken oder vorbeibringen. Bei einem virtuellen Meeting soll das Team die Leckereien dann "gemeinsam schnabulieren und genießen". Schon ist die digitale Weihnachtsfeier im Gange. Auch einen Adventskalender in Würfelform bekommen ihre Angestellten. Der Würfel und die Türchen sind mit Teamfotos und motivierenden Sprüchen bedruckt. Ein "Highlight" und "etwas bleibendes", wie Köhler sagt. Die 39-Jährige macht vor, wie man Weihnachtsstimmung verbreitet.

Da der himmlische Geschenkbote heuer seine Gaben nicht persönlich überbringen kann, organisieren Unternehmen selbst und Agenturen für Firmen virtuelle Weihnachtsfeiern und den Versand von Präsentkörben.

(Foto: SH Events)

Virtuelle Weihnachtsfeiern per Videochat organisiert auch die Münchner Agentur SH Events für ihre Kunden. "Dass man den Mitarbeitern in so einer Zeit was Gutes tut und einen schönen Abend hat", sagt Vertriebsleiter Manuel Probst. Im Vorfeld wird ein Weihnachtspaket mit Nikolausmütze, Salamibrezen, Studentenfutter, Lebkuchen, Glühwein und natürlich Maske versendet. Interessierte können aus drei verschiedenen Paketen wählen. Die virtuelle Weihnachtsfeier beginnt mit der Begrüßung durch den Moderator, dann redet der Geschäftsführer und es werden gemeinsam die Pakete ausgepackt. Es wird sogar magisch, denn die Agentur bietet auch eine interaktive Zaubershow an. "Die Anfragen überschlagen sich nur so", sagt Thomas Irlbeck alias Zauberer Tombeck.

Kein Wunder, er bindet Zuschauer in die Show ein, liest Gedanken oder lässt sie Entscheidungen treffen. "Da kommt von uns etwas mit in die Box, so kann er die Leute vorm Computer animieren, was zu machen", sagt Probst. Die Mitarbeiter können auch an einem Weihnachtsquiz teilnehmen. Dafür müssen sie einen Pin auf einer Website eingeben und können die Rätsel dann auf dem Handy lösen. "Manche machen sogar eine Siegerehrung", sagt Probst. Im Anschluss werden die Mitarbeiter in verschiedene Chaträume aufgeteilt, oft nach Abteilungen, so könne man besser kommunizieren. Als Update wird ein virtuelles Gin-Tasting angeboten. Es werden drei verschiedene Gins mitgeschickt, Tonic und Zitrone inklusive. "Live aus einer Brennerei wird dann noch was zu den Gins erzählt", sagt Probst. Die Agentur habe schon viele Anfragen bekommen, sogar welche für bis zu 2000 Personen.

Das Auspacken der Geschenke wird zum gemeinsamen Erlebnis

Auch der Teleshopping-Sender 1-2-3.tv aus Grünwald bei München hat sich für eine solche virtuelle Weihnachtsfeier entschieden. "Nach einem sehr herausfordernden, erfolgreichen Jahr haben es die Mitarbeiter verdient, zu feiern. Und das Virtuelle ist halt eine super Möglichkeit", sagt Claudia Wilms, die Assistentin der Geschäftsleitung. Sie begeistert, dass sich Kunden die Veranstaltung "selbst zusammenschnüren" können. Auch die Weihnachtspakete kommen an: "Das ist eine gute Sache, dass man das zu Hause aufmachen kann, man hat was zu trinken und zu essen." Aus diesem Grund habe man sich für das "gemeinsame Erlebnis" entschieden. "Im Allgemeinen ist es ja etwas Besonderes so etwas zu machen und ein Miteinander im Team zu bilden", sagt Wilms. Das sei auch die Basis einer guten Unternehmensstruktur.

Keine virtuelle sondern eine kulinarische Weihnachtsfeier zu Hause bietet der Spezial-Keller in Bamberg. Firmen können Gutscheine für ein Weihnachtsmenü bestellen und diese an Mitarbeiter verteilen. Das Menü für zwei enthält Fränkische Leberkloßsuppe, Gänsebrust mit Knödel und Wirsing sowie Spekulatius-Tiramisu als krönenden Abschluss. Die Mitarbeiter können das Menü im Spezial-Keller abholen und sich so "Weihnachts-Feeling nach Hause" holen. Am Monatsende bekommt das Unternehmen dann eine Rechnung über die eingelösten Gutscheine. "Wir haben uns einfach überlegt, wie wir unser to go Geschäft ankurbeln können", sagt Wirtin Katharina Löhr. Vor allem da der Spezial-Keller auf einem Berg abgeschieden von der Innenstadt liegt und "nicht so wahnsinnig viel" Laufkundschaft hat. Aber auch Weihnachtsstimmung wolle die Wirtin mit der Aktion verbreiten. "Wir schmücken ja auch unsere Terrasse dementsprechend."

Dass Unternehmen statt der Weihnachtsfeier im Restaurant Gutscheine desselben Lokals an Mitarbeiter verteilen, hat auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands, schon öfter gehört. Aber auch Städte würden Gutscheine verteilen. "In Bad Aibling gibt es von der Kommune Gutscheinaktionen, damit man eben regional vor Ort einkauft. Das muss ja nicht nur die Gastronomie sein, sondern im Prinzip droht ja der ganze Weihnachtskonsum ins Internet abzudriften", sagt Geppert. So versuche man den Betrieben und der Gastronomie vor Ort Umsatz zu verschaffen. Das To-Go-Geschäft sei aber keine Lösung für die Masse. "Es kompensiert auch nicht mal annähernd die Umsätze, die sonst da sind, auch wenn es vielleicht beim einen oder anderen gut läuft", sagt Geppert.

Trotzdem seien Gutscheine für regionale Restaurants als Ersatz für die dortige Weihnachtsfeier eine gute Möglichkeit, um ein wenig Umsatz zu machen: "Wir finden das super und eine sehr schöne Idee. Es geht ja auch um Existenzen." Dadurch können Unternehmen nicht nur den Betrieben vor Ort in der schwierigen Lage unter die Arme greifen, sondern auch den Mitarbeiter etwas Gutes tun.

© SZ vom 30.11.2020/vewo/van
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