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Vandalismus in Kirchen:Die AfD und ihre Hobby-Kommissare

Verregneter Tag in Oberbayern

Regenwolken hängen hinter der Wallfahrtskirche von Wilparting in den bayerischen Voralpen (Symbolbild).

(Foto: dpa)

Werden irgendwo in Bayern Kirchen mutwillig beschädigt, so vermuten AfD-Anhänger dahinter oftmals Ausländer. Abgeordnete der Partei stellten dazu eine Anfrage ans Innenministerium - und schauen nun in die Röhre.

Glosse von Johann Osel

Die Kirchenmauer wurde mit Farbe verschmiert, ein Feuerlöscher entleert, Altar, Figuren, Kerzen und Orgel wurden beschädigt - eine Spur der Verwüstung haben Vandalen im April in zwei Kirchen in Bad Griesbach im Rottal hinterlassen. Die Ermittler - und zwar jene in der Anhängerschaft der AfD - wussten alles ganz genau. Als Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner die Polizeimeldung auf Facebook setzte, schrieb Hobby-Kommissarin Elke: "So ist es, wenn man fremde Kulturen in Massen nach Deutschland einfliegt oder auf dem Meer einsammelt." Damit erhärtet sie die These einer gewissen Ursula: "Die dürfen sich alles erlauben." Spürnase Erwin berichtet von "muslimischen Fachkräften". Keiner tue etwas, meint einer - während der Staatsschutz anrücke, wenn vor einer Moschee ein Schweinskopf "nur abgelegt" werde.

Natürlich kann es sein, dass religiöse Fanatiker in Kirchen wüten, Täter könnten Abdul und Kamil heißen. Oder aber Sepp und Franz, es könnten Neonazis dahinterstecken, Linksradikale oder sonstige Deppen. Auffällig fragten die AfD-Abgeordneten Ralf Stadler und Christian Klingen in einer Anfrage an Innen- und Justizministerium nach "immer mehr Zerstörung in christlichen Kulturstätten", insbesondere: "Wie viele der Täter waren Ausländer, Asylbewerber, Migranten oder Personen mit Migrationshintergrund?"

Doch die Behörden unterscheiden laut kürzlich veröffentlichter Antwort nicht nach Glauben, sie meldeten im Berichtsjahr 2019 allgemein 53 Straftaten mit Angriffsziel Religionsstätten (ohne Diebstähle, das waren 295). Darunter hatte man nur fünf Mal Hinweise auf das Motiv religiöse oder ausländische Ideologie, dafür meist auf Rechtsextremismus (24) und Linksextremismus (20). Bei den Attacken konnten in gut zehn Prozent der Fälle Verdächtige ermittelt werden. Ein einziger war kein deutscher Staatsbürger, ein Syrer. Wohl malten sich die Fragesteller bereits Daten über "Allahu Akbar" rufende, marodierende Horden aus - zur Genugtuung ihrer Wähler.

Und die nächste Enttäuschung steht bald an. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind die Ermittlungen in Bad Griesbach inzwischen vorangekommen. Es gibt einen Verdächtigen: kein Extremist wohl, einfach nur ein Depp; Deutscher, kein Migrationshintergrund.

© SZ vom 14.05.2021
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