Bayerischer Fernsehpreis Tränen, Trauer und Triumphe

Gisela Schneeberger bekommt den "Blauen Panther" verliehen.

(Foto: dpa)

Otto Waalkes ist der Ehrenpreisträger beim 26. Bayerischen Fernsehpreis, der aber ohne ihn verliehen wurde - und auch ohne Gastgeber Horst Seehofer. Gisela Schneeberger bekam ihren "ersten Preis" und Edmund Stoiber beruhigte die Sicherheitsleute. Bei der Verleihung wurde gefeiert - aber Tränen gab es auch.

Von Philipp Crone

So wie am Freitagabend vor dem Prinzregententheater kann ein Gesellschaftsereignis nur in München beginnen. Auf dem roten Teppich gehen die lokalen und überregionalen Fernsehgrößen routiniert und entspannt die Auffahrt hoch. Andreas Giebel, nominiert als bester Darsteller in der Kategorie Fernsehfilme, schlendert in der Abendsonne mit einem gemütlichen "Servus" an den Fotografen vorbei. Neben ihm erzählt Medienministerin Ilse Aigner, wie wunderbar diese Verleihung der Bayerischen Fernsehpreise ist. In einem Statement bringt sie gleich dreimal ihr Lieblingslob "hervorragende Leistung" unter.

Auf der Straße fährt derweil ein Auto vorbei mit heruntergelassenen Fenstern, aus denen ein gutbayerischer Fluch zu den Damen und Herren in Abendgarderobe herüberweht. Der Feierabend ist heilig, da möchte man ungern im Stau auf der Prinzregentenstraße stehen, weil eine Spur für die Ankunft der Vertreter der Filmbranche gesperrt ist.

Bettina Zimmermann steht neben ihrem Partner und Schauspiel-Kollegen Kai Wiesinger und posiert für ein kleines Mädchen, das ihr von unten ganz ausdauernd "Bettina!" zuruft. Und wenn dann kurz vor Beginn der Veranstaltung der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber aus dem Auto steigt und dem vor lauter Gesellschaftsgewusel irritierten Sicherheitsbeamten zunickt mit den Worten: "Da komma schon nei", dann geht die 26. Verleihung der Bayerischen Fernsehpreise schon einmal gut los. Bis auf die Tatsache, dass die beiden wichtigsten Protagonisten an diesem Abend nicht da sind.

"Frau Aigner, ich bin immer noch nicht CSU"

Sowohl der Ehrenpreisträger dieses Jahres, Komiker Otto Waalkes, als auch der Gastgeber der Verleihung, Horst Seehofer, sind verhindert. Statt Waalkes übernimmt Filmemacher Willy Bogner den Preis, was einen zu der Frage führt, wie viel Humor und Witz der Filmemacher wohl aufbringen kann, um als angemessene Vertretung durchzugehen. Genau diese Spannung entsteht auch bei der Vertretung von Horst Seehofer, Ilse Aigner. Wird sie in der Tradition der halb selbstironischen und halb selbstgefälligen Laudationes des Ministerpräsidenten den richtigen Ton treffen? Also einen zwischen Leichtigkeit und Ernst?

Doch bis dahin kann sich Aigner für ihre Laudation noch ein bisschen inspirieren lassen. Friedrich von Thun etwa ehrt Gisela Schneeberger, die für ihre Rolle in "Im Schleudergang" als beste Serien-Darstellerin ausgezeichnet wird. Er raunt ihr mit breitem Grinsen zu: "Das ist ja dein erster Preis!", und Schneeberger antwortet: "Der erste Bayerische!" und erzählt, wie sie schon vor Jahren einmal nominiert war. Eine Bekannte berichtete ihr, in der Jury hätte jemand gesagt: "Wos, die Schneeberger? Die ist doch SPD." Sie hat den Preis damals nicht gewonnen, und diesmal bedankt sie sich bei der Ersatzgastgeberin: "Frau Aigner, ich bin immer noch nicht CSU."

Stellvertreter: Ilse Aigner vertritt Horst Seehofer und überreicht den Ehrenpreis an Willy Bogner, der wiederum Otto Waalkes vertritt.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Als Alexander Held auf die Bühne kommt, um den Preis als bester Seriendarsteller für seine Rolle in "München Mord" entgegenzunehmen, wird es am Ende sehr ruhig im Saal. Denn Held spricht von seiner Frau Patricia Gräfin Fugger. "Danken möchte ich meiner Frau, die ich vor mir sehe mit strahlenden Augen und ihrem unvergesslichen Lächeln in ihrem roten Kleid, das ich ihr mitgeben musste auf ihrer letzten Reise Anfang dieser Woche." Stille, dann folgt leises Klatschen. Man merkt die Unsicherheit der Gäste darüber, ob sie nun applaudieren sollen oder nicht. Sie tun es dann, leise und sehr lang, und damit genau passend für diesen Moment. Denn er schafft so eine würdige Überleitung zur weiteren Preisverleihung, weil er Mitgefühl ausdrückt und es der Veranstaltung trotzdem erlaubt, anschließend wieder fröhlich und lustig zu werden.

Kai Wiesinger übernimmt seinen Preis routiniert und dankt für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde. Palina Rojinski und Nikeata Thompson, als Jury der Sendung "Got to Dance" ausgezeichnet, geben die überwältigten Heulsusen, ehe Aigner ihre Vertretung antritt. Dass die Laudatio etwas bemüht gerät, liegt auch daran, dass der Geehrte nicht anwesend ist, und der von Bogner vorgetragene Dankesbrief bleibt ebenfalls blass. Aber dieses Ende passt zu einem Abend, der launig begann, aber mit der Nachricht vom Tod der Frau von Alexander Held eine Schwere bekam, die wohl keine Preisverleihung kompensieren kann - und auch gar nicht soll.