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Ausländerbehörde in der Kritik:Die Ausländerbehörde ist selbst im Ausland verrufen

So gaben einige der Befragten an, dass sie ihren Bekannten im Ausland kein Studium in Bayreuth empfehlen würden. Was Müller-Jacquier als verheerend einschätzt, da der Ausländeranteil an der Bayreuther Hochschule ohnehin bei nur knapp acht statt wie bundesweit bei zwölf Prozent liege.

Selbst im Ausland ist die Bayreuther Behörde verrufen, wie dem Professor aus einer deutschen Botschaft in einem osteuropäischen Land zugetragen wurde. Ein Mitarbeiter dort habe einen Bericht an das Auswärtige Amt verfasst und auf Missstände im Visumverfahren hingewiesen. "Auch die Ausländerbehörde Bayreuth habe ich namentlich in diesem Bericht erwähnt und deren Vorgehen als bedenklich für einen Studienstandort wie Bayreuth eingestuft", schreibt der Mann.

In Bayreuth ist die Problematik bekannt - auch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, der Müller-Jacquier seine Studie persönlich überreichte. Sie habe die Untersuchung an alle involvierten Referate weitergeleitet, die nun eine Stellungnahme dazu abgeben sollen, sagt sie. Kritik an ihren Mitarbeitern übt sie freilich nicht, dennoch betont Merk-Erbe, dass "die Leute in Bayreuth Wertschätzung erfahren sollen, egal woher sie kommen".

Ein erster Schritt dahin sei die Verwaltungsvereinbarung, die vor einigen Wochen zwischen Stadt und Universität geschlossen wurde - nachdem sie jahrelang immer wieder vertagt worden war. Sie soll die Zusammenarbeit verbessern und die "Gewinnung qualifizierter Wissenschaftler für Forschung und Lehre an der Universität Bayreuth" fördern. Seitdem kommt ein Mitarbeiter des Ausländeramtes für zwei Stunden pro Wochen zur Beratung von ausländischen Studenten auf den Campus. Maßnahmen, die Müller-Jacquier positiv beurteilt - auch wenn sie anderswo selbstverständlich sind. Schließlich ist in Deutschland längst die Rede von der "Willkommenskultur".

Der Freistaat beteiligt sich am Projekt "Willkommensbehörden"

Von dieser spricht auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU), zumindest wenn es um qualifizierte Arbeitskräfte geht. Deshalb soll es in den Ausländerbehörden bald freundlicher zugehen, wie er kürzlich bei der Vorstellung der Einbürgerungszahlen sagte. Nun beteiligt sich der Freistaat am Projekt "Willkommensbehörden" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Den bisherigen oft beklagten herablassenden Umgangston erklärte Herrmann damit, dass die Ausländerbehörden auch mit schwierigen Fällen zu tun haben, etwa der Ausweisung krimineller Ausländer.

Eine Erklärung, die Müller-Jacquier wegen der Unterscheidung von guten und bösen Ausländern ärgert. Dennoch hofft er auf eine positive Veränderung. In seiner Studie gibt er Empfehlungen ab, die von flexiblen Öffnungen über Fremdsprachenkenntnisse der Mitarbeiter bis zu einem freundlichen Umgangston reichen. Geht es nach ihm, sollte die Bayreuther Behörde ihren Ermessensspielraum, den sie dem Gesetz nach hat, zugunsten der Ausländer ausschöpfen.

Wie in Erlangen beispielsweise. Dort hat der Stadtrat im Februar beschlossen: "Die Ausländerstelle wird beauftragt, ihre ausländerrechtlichen Handlungs- und Ermessensspielräume grundsätzlich - soweit als möglich - zugunsten der Betroffenen zu nutzen und ein service- und kundenorientiertes Handeln im Alltag sicherzustellen."

© SZ vom 27.05.2013/tba
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