Ausbau-Pläne für Gundremmingen Staatsregierung geht auf Distanz

Der Streit schwelt schon lange: Trotz des Atomausstiegs soll im AKW Gundremmingen mehr Strom produziert werden. Umweltschützer laufen Sturm. Nun äußert sich plötzlich auch die bayerische Regierung kritisch.

Die bayerische Staatsregierung geht erstmals auf Distanz zu der geplanten Leistungserhöhung im schwäbischen Atomkraftwerk Gundremmingen. Der Antrag der Betreiber setze "ein politisch falsches Signal - gerade in Zeiten der Energiewende", erklärte Umweltminister Marcel Huber (CSU) am Dienstag. "Deshalb steht für mich hinter der Leistungserhöhung ein großes Fragezeichen."

Huber appellierte an die Betreiber, auf die geänderte Situation zu reagieren. Der Antrag der Energiekonzerne RWE und Eon stamme noch aus der Zeit vor der Entscheidung über den Ausstieg aus der Atomenergie. Dennoch müsse der Antrag selbstverständlich nach Recht und Gesetz geprüft werden. "Das Verfahren ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch die Stellungnahme des Bundes steht noch aus", betonte der CSU-Politiker.

Das Kernkraftwerk im Landkreis Günzburg gehört mehrheitlich dem Energiekonzern RWE; Eon ist ebenfalls beteiligt. Die Betreiber streben eine Ausweitung der Stromproduktion an. Die Leistung könnte damit je Block um gut 20 Megawatt gesteigert werden.

Bereits 2001 hatten die Kraftwerksbetreiber die Leistungserhöhung beantragt. Diese wurde nie genehmigt. Im Juni 2013, als die zwei Siedewasserreaktoren längst als veraltet galten und alle gleichartigen Anlagen in Deutschland bereits abgeschaltet waren, sprach sich das Ministerium dann plötzlich für ein Hochfahren der 29 Jahre alten Blöcke aus. Nun hat die Staatsregierung ihre Meinung offenbar geändert.

Umweltschützer laufen gegen die Ausbau-Pläne seit langem Sturm. Sie hatten bereits im Sommer 7000 Protestunterschriften im Landtag übergeben. Am Dienstagnachmittag sollten dort weitere 20.000 Unterschriften an Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) überreicht werden.