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Augsburg:Von Rindersuppe bis Apfelkuchen

Bertolt Brecht und Helene Weigel, 1940

Helene Weigel und Bertolt Brecht in Schweden: Es war ihnen 1939 gelungen, Visa zu bekommen.

(Foto: SZ Photo)

Ein neues Buch über Bertolt Brecht und Ehefrau Helene Weigel

Dass Bertolt Brecht gerne Spargel aß, ist irgendwie klar. In der "Dreigroschenoper" bestellt sich Mackie Messer Spargel sogar als Henkersmahlzeit. Dass aber Brecht auch gerne Suppen aß, bevorzugt Rindssuppe, und überhaupt die schwäbische Küche unter anderem mit ihren Maultaschen gut ankam, auch auf seinem späteren Lebensweg im Exil und dann in Berlin - das hat so noch keiner aufgeschrieben. Bertolt Brecht ist ein Mann, dessen Leben vielfach durchleuchtet wurde, die Augsburger Historikerin Martha Schad hat nun eine Doppelbiografie von Brecht und seiner Frau Helene Weigel vorgelegt, die das Leben des Dramatikers und der Schauspielerin aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt - über das Essen.

Martha Schad ist als Autorin vielfach ausgezeichnet und bekannt dafür, einen ungewöhnlichen Zugang zu historischen Figuren zu finden. Oft erzählt sie die Geschichten von Frauen, etwa über Papst Pius XII. und seine einflussreiche Privatsekretärin Schwester Pascalina. Vor 15 Jahren veröffentlichte sie bereits "Zu Gast bei Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II.", ein Blick in Hofküchen und Konditoreien. "Komm und setz dich, lieber Gast", der Band über Brecht und Weigel, hat nun dasselbe Konzept: Schad hat nicht nur in Biografien und Büchern Brechts recherchiert, sie hat sich auch ausführlich mit Tochter Barbara Brecht-Schall unterhalten und original Kochrezepte von Helene Weigel zum Abdruck erhalten: vom Blumenkohlpudding bis zum Heidelbeerwein.

Dabei ist das Buch viel mehr als nur Rezepte und Verweise auf Brechts Essgewohnheiten. Schad öffnet den Blick in den Alltag der Familie Brecht, selbst Brecht-Kenner entdecken so neue Seiten am Literaten und seiner zweiten Ehefrau, eingeteilt in die Zeit vor dem Exil, während des Exils und das Leben anschließend in Berlin. Auf seinen Irrwegen im Exil macht Brecht unter anderem die englische Küche zu schaffen, die "lebensgefährlich" sei. "Essen tun die Engländer Leder und Gras", klagt er. In der DDR beschwert er sich in einem Restaurant, dass er nur fünf fingerlange Spargel ohne Köpfe und ein zähes Stück Rindfleisch bekommen habe. Als der Kellner bemerkt, wer da als Gast vor ihm sitzt, bringt er ein zartes Stück Fleisch und 30 Spargelköpfe. Nun beschwert sich Brecht, dass die nächsten 30 Gäste wieder keine Köpfe bekommen werden.

"Ich habe gut gekocht", hat Weigel ironisch auf die Frage geantwortet, was sie zu Brechts literarischer Arbeit beigetragen hat. Die Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles hat viel mehr dazu beigetragen, auch dies herauszuarbeiten, ist Schads Verdienst. "Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral" ist eines der berühmtesten Zitate aus Brechts Werk. Der Schriftsteller war zwar ein schlechter Esser, der aber gerne in geselligen Runden am Tisch saß - zwischen Schwammerlgulasch und seiner Lieblingsnachspeise: Apfelkuchen.

Martha Schad: Komm und setz dich, lieber Gast. Presse-Druck-und-Verlags-GmbH, Augsburg 2019. 208 Seiten, 24,95 Euro.